Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311896
158 
Buch. 
VIII. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Allgemeiner 
Theil. 
naiven Aneignung der Frührenaissance Oberitaliens, namentlich 
Venedigs. Das Decorative waltet vor, und zwar in dem leichten 
zierlichen Gepräge eines überwiegend vegetativen Ornaments von 
Blumenranken, durchwebt mit Masken und anderem Figürlichen. 
Wo indess nicht ausnahmsweise Italiener mitgewirkt haben, blei- 
ben diese Formen an Feinheit dergZeichnung und Anmuth der 
Bewegung merklich hinter den italienischen zurück. Besonders 
g-ilt dies auch vom Figürlichen, welches den deutschen Stein- 
metzen selten gelingt. Die selbstätndigen Glieder der Architektur, 
namentlich die Säulen mit ihrem Zubehör, Werden meist ohne 
genaueres Verständniss unsicher und schwankend gehandhabt. 
Daneben spielt das Gothische in Gliederungen und Details, in 
Thür- und Fenstergewänden, Treppen und dergleichen immer 
noch eine grosse Rolle. 
Die zweite Phase der Entwicklung beginnt um die Mitte 
des Jahrhunderts. Man hat inzwischen durch die mehr und mehr 
verbreiteten Lehrbücher die antiken Formen genauer kennen ge- 
lernt und weiss sie richtiger zu verwenden. Die schwankende 
Unsicherheit tritt zurück, und man würde nunmehr eine Erschei- 
nung, analog der italienischen Hochrenaissance, erwarten dürfen, 
oder wenigstens eine Entwicklung, wie sie in Frankreich geg-en 
Ausgang der Regierung Franzf I und im Beginn Heinrichs II 
sich gestaltete. Aber es fehlten die Voraussetzungen dazu in 
Deutschland, es fehlten namentlich bedeutende tonangebende, 
führende Meister, und so suchte sich jeder in seiner Weise in 
dem Chaos verschiedener Formen zurecht zu linden. Neben den 
Elementen der klassischen Architektur und den Reminiscenzen 
der Gothik stellen sich zugleich die frühen Vorboten des begin- 
nenden Barockstils ein. Dies Alles bedingt eine Mischung, welche 
nicht immer glücklich ausfällt, gleichwohl aber doch in einigen 
Meisterschöpfungen, wie dem Otto-Heinrichsbau zu Heidelberg, 
dem Schlosshof zu Dresden, dem Hof des alten Schlosses zu 
Stuttgart und der Bogenhalle am Rathhause zu Köln sich be- 
deutsam ausgeprägt hat. 
r Diese Stilentwicklung geht dann unmerklich in eine andere 
über, welche man als dritte Stufe der deutschen Renaissance 
bezeichnen kann. In ihr gewinnt Alles einen derbereu Ausdruck; 
die Formen häufen sich nicht selten bis zur Ueberladung; Barockes 
und Willkürliches mischt sich starker ein, besonders die Orna- 
mentik verlässt den feinen Grundzug der früheren Zeit und wen- 
det sich wieder einem Spiel mit geometrischen Formen und einer 
Nachahmung fremdartiger Ornamente, namentlich aus dem Be- 
reich der Schmiede- und Schlosserkunst zu. Mit dem Ausbruch
        

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