Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311759
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
A. Allgemeiner Theil. 
Was er von Anlage und Gesammtform antiker Gebäude vor- 
bringt, ist begreiflichei- Weise nach den Anschauungen der ita- 
lienischen Renaissance, und zwar durchweg nach Cesariano, ge- 
bildet, und nimmt sich manchmal wunderlich genug aus. So 
giebt er die Grundformen des griechischen Tempels ganz nach 
dem Schema mehrsehifliger Kirchen der ausgebildeten Renais- 
sance, mit Kreuzgewölben, auch wohl Kuppeln, bisweilen selbst 
mit complicirteren Gewölbformcn, wie z. B. beim Pseudodipteros. 
Von offenen Säulenhallen, welche die Tempel umziehen, hat er 
gleich seinem Vorgänger keine Vorstellung. Ueberall sind es 
nach dem Muster christlicher Kirchen geschlossene Mauern mit 
kräftigen Strebepfeilern, welche den Bau umgeben, Beim Di- 
pteros und Hypaethros zeichnet er dann zweischiifige Umgange 
auf Pfeilern, und ebenso lässt er im Innern die Gewölbe meist 
auf viereckigen Pfeilern ruhen. Nu1' dem Peripteros giebt er 
Säulen, die aber blos im Innern angebracht sind, wo sie ein 
längliches Mittelschiff von vier Gewölbjochen von den ringsum 
geführten Seitenschiifen abgrenzen. Dabei sind nach dem Vor- 
bilde romanischer Kirchen je zwei Arkaden durch gemeiheameh 
Bogen zusammengefasst und zu einem Gewölbjoch VerbundeIL 
Auch bei den Faeaden dieser Tempel schwebt ihm das Aeussere 
italienischer Renaissancekirehen vor. Sein Prostylos und Amphi- 
prostylos sind mit ionischen Pilastern bekleidet, über weleheh 
die entsprechenden Gebälke und Gesimse sammt Giebel aufsteigen. 
Im mittleren Intercolumnium ist das Portal, beim Amphipreetylee 
darüber ein Rundfenster, in den Seitenfeldern sind eehlanke 
Fenster mit gradem Sturz und Giebel angebracht. Dazu kommt 
im Giebelfelde noch ein Rundfenster. Der Amphipreetyles unter 
scheidet sich sodann hauptsächlich durch eine runde Kuppel mit 
Laterne, Welche über der Mitte aufsteigt. Beide Tempel sind 
nämlich als kleine Oentralbauten angelegt und die Chorapsis, 
das eine Mal halhrund, das andre Mal rechtwinkelig, ist durch 
eine Mauer als gesonderter Raum abgetrennt. Wir haben hier 
ungefähr jenes Ideal eines Oentralbaues der Renaissance, wie es 
in der Madonna di San Biagio bei Montepulciano Gestalt ge- 
wonnen hat. Beim Antentempel giebt er für die Facade als Va- 
riante einen schlanken Hochbau von zwei korinthischen Pilaster- 
geschossen, das breitere Erdgeschoss mit Volute oder Halbgiebel 
abgeschlossen. Einen reich entwickelten Hochbau ähnlicher Art 
bringt er dann beim Pseudodipteros vor, die Voluten und Giebel 
seltsamer Weise mit liegenden Drachen und Hirschen bekrönt. 
Wie sehr die Baumeister der Renaissance überzeugt waren, in 
ihren Kirchen die antiken Tempelschemata zu VGIWVlIIKllCIICU,
        

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