Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311701
Kap. 
Die Theoretiker. 
139 
mehr haben, sondern mit ihren Kanten auf breitvorspringenden 
Gesimsen aufsetzen. In der Mitte ruhen die Gewölbe auf schlanken 
Säulen, denen der Zeichner kein Postament gegeben hat, um den 
Raum nicht unnöthig einzuengen. Dagegen sind an beiden Wän- 
den kurze Säulen auf stark vorspringenden Postamenten ange- 
bracht, freilich noch weniger als die Mittelsäulen einer strengen 
Renaissance entsprechend. Denn die geschweiften Schäfte kommen 
aus grossen Blätterhülsen hervor, die der ganzen Form etwas 
Pflanzenhaftes geben; ebenso bestehen ihre Kapitale aus ähn- 
lichen umgebogenen Blättern, in welche der Schaft ohne Weiteres 
verläuft. So Wenig alle diese Formen mit der Antike etwas zu 
thun haben, so gewiss müssen wir sie im Sinne der alten Meister 
als Renaissance ansehen. Dieselbe noch ziemlich unklare und 
willkürlich spielende Auffassung begegnet uns auf den folgenden 
Blättern: so auf der Zeichnung mit dem Altarerker, dessen Ein- 
fassung schlanke Pilaster bilden, mit dunklen Flachornamenten 
{ülf dem vertieften Grunde; auf der-äussern Perspective eines 
Schlosses, dessen Seitenflügel in zwei Geschossen wieder mit 
ällsserst phantastischen Säulen gegliedert ist, u. s. w. Ueberall 
Sieht man eine steigende Lust zur Anwendung von Renaissance- 
fürmen, die aber gleichwohl von einem wirklichen Verständniss 
weit entfernt sind. 
Während man so auf dem abgelegenen Hundsrüek ganz von 
Ungefähr im Unklaren tappte, gab nicht lange darauf in Nürn- 
berg Wcltlzer Rivius seine umfangreichen Werke heraus, 1547 die 
--Neue Perspective" und 1548 den „Deutsehen Vitruv". Erstere 
erlebte bereits 1558 eine zweite Auflage, letzterer wurde 1575 
und 1614 in Basel von Neuem gedruckt. 1) Ein selbständiges 
Verdienst ist diesen Arbeiten des fleissigen Arztes und Mathe- 
matikers, welche er „in müssigen Zeiten zu sonderlicher Ergetz- 
llllg und Recreation" verfasste, nicht zuzuspreehen. Seinen Vitruv 
übersetzt er nach der 1521 zu Oomo erschienenen Ausgabe und 
dem Commentar des Cesariano; in seiner Perspective bearbeitet 
er ebenfalls italienische Vorgänger, besonders Leo Battista Alberti, 
selbst seine Holzschnitte sind Nachbildungen nach Oesariano und 
nach des Polifilo Hypnerotomachia. Doch darf man keineswegs 
an sclavische Copien denken. Ein Vergleich mit seinen Vor- 
gängern beweist zunächst für die Holzschnitte eine ziemlich freie 
und in den meisten Fällen verbesserte Nachbildung der Origi- 
nale. Aus Polifilo 2) sind nur einige nebensächliche unbedeutende 
von der Perspee- 
vor mir. 
  Vom Vitruv liegen mir diese drei Ausgaben vor; 
hve nur die erste.  2) Ich habe die Ausgabe von 1499
        

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