Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311669
Die Theoretiker. 
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genauer dein Werk dem Leben gemass ist in seiner Gestalt, 
desto besser erscheint dein Werk, und dies ist wahr, darum, 
nimm dir nimmermehr vor, dass du etwas besser mögest oder 
wollest machen, als es Gott seiner erschaffenen Natur zu wirken 
Kraft gegeben hat, denn dein Vermögen ist kraftlos gegen GOWGS 
Schaffenf") Es ist also ein tief religiöses Gefühl, welches ihn 
zur Bewunderung der Natur als eines Göttlichen hintreibt. Er 
fahrt dann fort: „Daraus ist beschlossen, dass kein Mensch aus 
eignen Sinnen nimmermehr kein schöneres Bildniss machen kann 
(als die Natur), es sei denn dass er durch viel Nachbilden sein 
Gemüth vollgefasst habe, das ist dann nicht mehr Eigenes ge- 
nannt, sondern überkommene und gelernte Kunst geworden, die 
sich besaamet, erwächst und ihres Geschlechtes Frucht bringt. 
Daraus wird der versammelte heimliche Schatz des Her- 
Zens offenbar durch das Werk und die neue Oreatur, die Einer 
in seinem Herzen schafft in der Gestalt eines Dinges." Schöner 
und höher ist nie von dem Schaffen des Künstlers geredet wor- 
den, treffender nie die aus der Fülle der Erscheinungen gewon- 
nene Gestaltenwelt des Künstlers als „heimlicher Schatz des 
Herzens" bezeichnet werden. S0 sagt er auch an einer andern 
Stelle : 2) „ein guter Maler ist inwendig voller Figur"; aber wieder- 
holt betont er auch, dass „der Verstand des Menschen kann 
selten fassen das Schöne in Creaturen recht nachzubilden, und wir 
ill den sichtbaren Creaturen doch eine solche übermassige Schön- 
heit finden, also dass solche unserer Keiner kann vollkommen in 
sein Werk bringen." Weiter ist ihm aber auchnicht entgangen, 
Wie schwer es sei, das wahre Schöne aus den mannigfaltigen 
Erscheinungen der Natur zu erkennen, wie schwankend der Ge- 
schmack und das Urtheil der Menschen sei, und in der an Pirck- 
heimer gerichteten Vorrede zur Unterweisung beklagt er, dass 
nlan bisher in deutschen Landen nur nach hergebrachter Routine, 
oder unrmit Dürer's eignen Worten zu reden, „aus einem täg- 
lichen Brauch" die Kunst der Malerei gelehrt habe, sodass er 
also mit aller Schärfe an die Stelle des zufälligen Schaffens das 
Arbeiten nach festen wissenschaftlichen Gründen setzen Will. 
Mit einer Kraft, die an ein berühmtes Wort Lessings erinnert, 
Spricht er sodann seinen Durst nach Wahrheit in den schönen 
Worten ausz3) „Ich weiss, dass die Begierde der Menschen mag 
aller zeitlichen Dinge durch Ueberfiuss also sehr gesättigt werden, 
1) Proportion (Nürnberg 1528) III. B. T. IIIb- 
reden.  Fragment im Arch. für die Z. K. 1858. 
Venetien-Fragment.  
Nürnberger Vor- 
 3) Nürnberger
        

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