Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311623
K813- 
III. 
Die Renaissance in den Kunstgewerben. 
131 
Endlich haben wir noch einen Blick auf die textilen Künste 
Zu Werfen, die in dieser Zeit im Wetteifer mit der gesammten 
künstlerischen Bewegung ihre Meisterschöpfungen hervorbrachten. 
Flandern war es vor Allem, wo die Teppichwirkerei sich auf 
ihren Gipfel erhob. Selbst die berühmten Compositionen Rafaels 
für die sixtinisehe Kapelle des Vaticans wurden auf den Web- 
Stühlen zu Arras ausgeführt. Diese Kunst suchte in der Vollen 
Anwendung und reichen Abstufung der Farben und im Herbei- 
ziehen des Goldes die monumentale Malerei zu überbieten. Allßll 
nordische, namentlich fiandrische Meister wurden zahlreich mit 
Entwürfen für Teppiche beauftragt. In allen Ländern wetteiferten 
die vornehmen und besitzenden Stände in der Anwendung kost- 
balßr Teppiche, mit welchen die Wände bedeckt zu werden 
pflegten. Vieles derart ist noch jetzt erhalten, eine reiche Aus- 
wahl namentlich im Nationalmuseum zu München. Obwohl 
dieser Luxus hauptsächlich von Italien und Flandern sowie von 
Pankreich ausging, während man in Deutschland und der Schweiz 
überwiegend an der Holzvertäfelung festhielt, beginnt seit der 
Mitte des 16. Jahrhunderts auch hier die Anwendung der Teppiche 
Iwzünehmen. Noch 15.50 berichtet Aloisius von Orellif) dass er 
111 Zürich nur in zwei Hausern Teppiche gesehen, und auch diese 
Seien aus Mailand gekommen.  
 Dagegen findet die Stickerei, die im Mittelalter vorzüglich 
111 den Nonnenklöstern geübt worden war, jetzt steigende Ver- 
wendung für weltliche Zwecke. Besonders in München wurde 
durch die Prachtliebe des Hofes in der zweiten Hälfte des 16. J ahr- 
hunderts die Teppichstickerei durch .eine Reihe von geschickten 
Künstlern geübt, und aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts be- 
Tlßhtet Neudörffer von dem Nürnberger Sticker Bernhard Müllner, 
daSS er ein sehr geschickter Meister gewesen. Ausser den Tep- 
pichen fertigte man namentlich die Kissen und Polster für Stühle 
und Bänke, denn eine Zeit lang herrschte noch die mittelalter- 
liche Sitte einfacher Holzmöbel, welche man dann mit Kissen 
belegte. Im weitern Verlaufe der Epoche kommen aber die 
Polstermöbel auf, bei welchen das hölzerne Gestell für den Sitz, 
diß Rücken- und Armlehnen mit Polstern überzogen und mit 
Tßicher Stickerei bedeckt wurde. Prächtige Möbel dieser Art 
Sieht man z. B. im Schloss zu Weikersheim. Bankpßlstßly 
Kissen und Faulbett schildert Hans Sachs in seinem Gedichte 
über den Hausratli, unter den "bei dreihundert Stücken, so un- 
Orelli , 
1) Aloysius von 
Zürich 1797. 
biographischer X7ersuch 
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