Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311535
122 
III. 
Buch. 
Renaissance in 
Deutschland. 
Allgemeiner 
Theil. 
kunstreichen Oefen dort erhalten, und namentlich sind es die 
nordöstlichen Theile des Landes, welche sich darin auszeichnen. 
Der Hauptsitz dieser Industrie war hier Winterthur, wo die 
Familie Pfau und neben ihr die Erlzart eine Anzahl geschickter 
Hafnermeister und Ofenmaler lieferte. Auehdiier beginnen die 
Oefen mit einfarbiger Glasur, und zwar wie es scheint, aus- 
schliesslich grüner. Solcher Art sind die beiden Oefen auf der 
llörsburg bei Winterthur und der schöne in dem Herrenhause 
zu Wülflingen. Die Dekoration gestaltet sich reich, die Glie- 
derungen sind elegant proiilirt, die Pilaster und Friese mit Masken, 
Muschelwerk, Blumenranken und Arabeskcn geschmückt. An dem 
Ofen zu Wülflingen kommen barock phantastische Hcrmen dazu, 
und die Reliefbilder geben biblische Darstellungen und genrehafte 
Liebesscenen. Alles das bewegt sich noch in den Formen des 
K6. Jahrhunderts, obwohl dieser Ofen das Datum 1645 trägt. 
Ein Beweis, wie lange in der Schweiz die Traditionen der früheren 
Renaissance festgehalten wurden. Bei diesen Oefen ist der Auf- 
bau meistens polygon, sechs- oder achteckig, das Gesammtver- 
hältniss schlank. In der Regel wird nun neben dem Ofen in 
der Ecke des Zimmers ein bequemer Sitz mit Rücken- und Arm- 
lehne ebenfalls mit glasirten Kacheln aufgebaut, zu welchem 
man über mehrere Stufen hinaufsteig-t; zuweilen findet sich auf 
beiden Seiten des Ofens ein doppelter Sitz. Diese Sessel, welche 
für die betagten Eltern bestimmt waren, gestalteten sich um so 
behaglicher, als ihr hohler Raum gleichfalls vom Ofen aus erwärmt. 
wurde, oder gar eine selbständige Heizung hatte. Die glasirten 
Fliesen, welche auch diese Sitze bedecken, setzen sich dann 
meistens an den Wänden weiter fort, so dass die dem Ofen be- 
nachbarten Theile des Zimmers dieselbe Bekleidung erhalten. 
Sehr bald tritt nun aber an Stelle des einfarbig grün g-la- 
sirten Ofens mit seiner ausschliesslich plastischen Durchbildung 
der vielfarbige mit überwiegend malerischer Behandlung. Anstatt 
der grünen Bleiglasur erhalten die jetzt grösser gewordenen 
Kacheln einen milchweissen Emailgrund, auf dessen Flache die 
Ornamente wie die Bilder farbig gemalt werden. Ein leuchtendes 
und doch mildes Blau gewinnt die Ueberhand und bildet die 
Grundlage der Zeichnung Daneben findet man in erster Linie 
Gelb und Grün, weiter auch Violet und Schwarz. Die Farben 
werden dünn und leichtfiüssig aufgetragen, die Behandlung hat 
Heft 4, mit Abb, wieder abgedruckt in meinen Kunsthist. Studien. Stutt- 
gart 1869)-habe ich Beiträge zu einer Geschichte der Oefen gegeben. Für 
Deutschland fehlt es leider noch an einer solchen Arbeit.
        

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