Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310287
lerische Bewegung jener Zeit wird von beiden Autoren begreiflicher 
Weise mit Stillschweigen übergangen: eine lebhafte Aufforderung 
für die Männer des Faches, diese Lücke auszufüllen. So ist denn das 
liebenswürdige Buch v. Eye's über Albrecht Dürer, das umfassende, 
gründliche Werk Woltmanns über Hans Holbein entstanden, Während 
Schuchardt das Leben Cranachs zum Gegenstande der Schilderung 
machte. Für die bildnerischen Schöpfungen der Zeit habe ich selbst in 
den betreffenden Kapiteln meiner Geschichte der Plastik Einiges beizu- 
bringen gesucht und dafür eine Reihe von Einzelforschungen zu Gründe 
gelegt. Aber immer noch fehlte uns bis jetzt eine Darstellung der Archi- 
tektur jener Epoche, und selbst unter den Architekten begnügte man 
sich meist damit, vom Schloss zu Heidelberg zu reden und das Uebrige 
als eine wenig bedeutende verworrene Masse bei Seite zu schieben. 
Diesem Vorurtheil soll meine Darstellung, wie ich hoffe, ein Ende 
machen. Wer das reiche Kulturleben des damaligen Deutschlands kennt, 
weiss, dass solche Verhältnisse stets auch in der Architektur zu einem 
charakteristischen Ausdruck kommen. 
Kaum ist der Kampf gegen das geisterknechtende Rom zum 
vorläufigen Abschluss gebracht, die Gewissensfreiheit erfochten, so 
strebt das deutsche Volksgemüth, seinem idealen Drange wieder in 
künstlerischen Werken volles Genüge zu thun. Das neu begründete 
Fürstenthum, das theils der Förderung der Reformation, theils dem Be- 
kämpfen derselben seine Macht verdankt, spricht dieselbe in prächtigen 
Schöpfungen aus. Mit ihm wetteifert das durch Handel, Gewerbthatig- 
keit und höhere Bildung hervorragende Bürgerthum, um auch seinem 
Leben einen entsprechenden Ausdruck zu schaffen. Die humanistische 
Bildung der Zeit, die Begeisterung für das klassische Alterthum kommt 
dabei zur frischen Erscheinung; aber indem sich dieselbe mit den EI- 
fordernissen heimischer Sitte und Ueberlicferung, mit den klimatischen 
Bedingungen und Volksanschauungen in Ausgleich setzt, entsteht jene 
anziehende Mischung, welche in den Werken jener Zeit sich als lebens- 
Vüner, Ilaturnothwendiger Reflex der wirklichen Verhältnisse so charak- 
tervßll Zu erkennen giebt. Werden daher jene Schöpfungen vor dem 
strengen Maßsstabe einer abstrakten Aesthetik nicht tadelfrei ausgehen, 
so sind sie doch als Kulturausserungen einerschaffensfrohen, kräftigen 
Zeit von hohem Interesse und auch künstlerisch von einem nicht gering 
zu schätzenden Werthe. Was in der langen friedlichen Epoche von 
ca. 1540 bis ZIIIII Ausbruch des unseligen dreissigjährigen Krieges in 
Deutschland an Werken der Architektur und der begleitenden Decorßüon
        

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