Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311444
Kap. III. 
Die Renaissance in 
den Kunstgewerben. 
113 
trieben. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts bilden die mit 
kostbarem Geschirr beladenen Büifets einen Gegenstand des Ehr- 
geizes. Grossc Platten, Schüsseln und Schalen, Teller und Napfe 
sowie Confectträger und Kühlgefässe Variiren in den mannig- 
faltigsten Formen und werden mit getriebenen oder flachen gra- 
virten Ornamenten und figürlichen Darstellungen in klassischem 
Stil bedeckt. Auch die Löffel und Messer sowie die erst langsam 
in Gebrauch kommenden Gabeln werden beliebte Gegenstände 
für die erfindungsreichc 'l'hittigkeit des Gold- und Silberschmiedes. 
Interessante Beispiele im Nationalmuseum zu München und in 
andern Sammlungen. Besonders zierlich sind die noch zahlreich 
vorhandenen Geschirre in Zinn, bei welchen die künstlerische 
Arbeit den Stoff adelt, indem sie die Flächen durch hübsche 
Ornamente, namentlich aber durch kleine Medaillons mit bild- 
liehen Darstellungen belebt. 
Dahin gehören ferner die Standuhren, Welche namentlich in 
Augsburg und Nürnberg verfertigt wurden. Hier fand der Sinn 
der damaligen Meister Anlass, das Werk nicht blos durch aller- 
lei künstliche Einrichtungen und neckisches Spiel mit Figuren, 
Welche ausser den 'I'agesstunden das Jahr, den Monat, den 
Lauf (ler Gestirne anzeigen, auszustatten, sondern auch durch 
die ganze künstlerische Anordnung und Ausschmückung her- 
vorzuheben. Die Gesammtform ist bei diesen Werken gewöhn- 
lich eine streng architektonische, so dass in kleinem Maassstab 
irgend ein Bauwerk mit Säulen und Gebälk nachgebildet wird. 
Am beliebtesten sind dabei Nachahmungen von Kuppelbauten, 
die überall als das höchste architektonische Ideal dieser 
Zeit sich geltend machen. Einige Beispiele sieht man im 
Nationalmuseum zu München; besonders lehrreich aber ist 
eine ganze Reihe solcher Uhren im historischen Museum zu 
Dresden. Eine grosse astronomische Uhr, 1568 nach An- 
gaben Augusts l gearbeitet, zeigt quadratischen Aufbau, in 
ZWei Geschossen mit doppelten "Saulcnstellungen, unten dorischen 
Oben korinthischen, besetzt, von einem kuppelartigen Aufsatz 
bekrönt, das Ganze vergoldet, abwechselnd mit silbernen und 
Silbervergoldeten Figürchen und Reliefs und mit Emailornamen- 
ten an den Einfassungen, den Postamcnten und anderen passen- 
den Orten geschmückt. llIehrere kleinere Uhren sind eben- 
falls als elegante Kuppelbauten ausgebildet. Dagegen zeigt die 
1591 von Paul Schuster "in Nürnbergg; verfertig-te Uhr eine noch 
in gothisirender Form schlank durchgeführte Spitze, die in 
sehr origineller Weise aufgebaut und mit RßIlä-iSSancedetails ge- 
schmückt ist. 
Kug 
Gescl 
Baukunst.
        

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