Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311375
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner Theil. 
museum zu München ist bemerkenswerth die Rüstung des Erz- 
bischofs von Salzburg, Wolf Dietrich von Raitenau (T 1617). 
Aus dem vertieften, dunkel gekörnten Grunde heben sich die 
Ornamente, Figuren, Waffenstücke in Gold hervor, aber stimmt- 
lich flach gearbeitet, eine besonders wirksame Art der Tauschi- 
rung. Zum Schönsten der ganzen Zeit gehört auch der Schild 
im Kensington Museum zu London, 1552 von Georg Sigmann 
in Augsburg ausgeführt, Er enthält in erhaben getriebener Arbeit 
in der Mitte ein Medusenhaupt, ringsum Scenen eines römischen 
Sieges mit Opfern und dergleichen in vollendet freiem Stil, maass- 
voll und klar in der Ornamentik. Solche Werke pflegte man 
früher ohne Weiteres dem Benvenuto Cellini oder andern Italie- 
nern zuzuschreiben; jetzt wissen wir, dass die besten deutschen 
Meister den berühmtesten italienischen auf diesem Felde völlig 
ebenbürtig waren, und dass z. B. Jörg Seusenlzofez- von Innse 
bruck durch Franz I an den französischen Hof gerufen wurde, 
um für den König und die französischen Grossen Rüstungen aus- 
zuführenß) Auch die Entwürfe zu Rüstungen (Fig. 18), Welche 
Hefner-Alteneck im Kupferstiehkabinet zu München aufgefunden 
hatß) tragen meistens die Embleme Franz I und Heinrichis II, 
liefern also einen neuen Beweis von der Geltung, welche die 
deutschen Harnischmacher im Auslande besassen.  
An diese Prachtwerke mögen sich die bescheidneren Arbeiten 
der Eisenschmiede reihen, die ebenfalls durch höchste technische 
Vollendung und sinnreiche Erfindung sich zum Werth von Kunst- 
werken erheben. 3) Die Ausstattung des Hauses und seiner 
Umgebung ist es zunächst, was hier in Betracht kommt. Die 
Schlösser und Thürbeschläge, sowie die Thürklopfer erfreuen 
sich der reichsten Ausbildung und werden in ihren Flächen häuiig 
durch eingegrabene und geätzte Ornamente, bisweilen selbst 
durch Vergoldung und Tauschirarbeit geschmückt. Die Eisen- 
arbeit hatte im Mittelalter selbst während der Herrschaft der 
Gothik sich am meisten dem Despotismus der architektonischen 
Form zu entziehen gewusst und ihre Gebilde in freier Ornamentik 
gestaltet. Dennoch war sie nicht ganz frei von der Spielerei mit 
Maasswerk geblieben, und ihr Pflanzenornament trug das Ge- 
präge des spätgothischen Naturalismus. Derbe Kraft, handwerk- 
liche Gediegenheit ist aber allen jenen Schöpfungen eigen. Die 
 D. Schönherr im Archiv für Gesch. und Alterthumskunde Tyrols. 
1864. I. S. S4 ff.  2) Photographisch publicirt von Hefner v. Alten eck. 
München. Fol.  3) Vgl. die musterhaften Aufnahmen in Hefner-Alten- 
eck's Eisenwerken etc. Frankfurt 1862.
        

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