Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1311239
92 
III. 
Buch. 
Die Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner Theil. 
Entfaltung. Erst mit der Renaissance dringt die in Italien hei- 
mische eingelegte Arbeit (Intarsia) bei uns ein, ordnet sich aber 
meistens der Plastik unter. Bis tief ins 16. Jahrhundert bleibt 
bei all diesen Werken die gothische 'l'radition in Kraft. Erst 
nach 1550 zeigt sich auch hier die Renaissance, dann aber schon 
mit barocken Elementen gemischt und nicht selten in arger 
Ileberladung. Ein prächtiges Beispiel dieser Art geben" wir in 
Figur 11 aus der Klosterkirche zu Danzig. Ist hier die Archi- 
tektur fast ganz in phantastisches Bildwerk aufgelöst, so bieten 
die Chorstühlein der Spitalkirche zu Ulm (Abb. im Kap. IX) ein 
Beispiel edler Dekoration und maassvoller Gliederung. Ihnen nahe 
verwandt ist das herrliche Chorgestühl in der Michaelshofkirche 
zu München, das sich jedoch durch grössere Mannigfaltigkeit in 
den Motiven der Ornamentik auszeichnet. Noch strenger sind 
die Chorstiihle im Kapitelsaale des Doms zu lllainzß) bei welchen 
sich der Schmuck auf die Untersätze der kannelirten ionischen 
Pilaster und die Lehnen und Wangen der Sitze beschränkt. 
Prächtige Chorstühle aus etwas späterer Zeit bßßitzt auch die 
Klosterkirche zuWettingen in der Schweiz. 
Mit aller Energie wirft sich dann diese 'I'echnik auf die 
Ausstattung der Wohnräume. Zunächst sind es die Wände und 
Decken der Zimmer, welche in gediegenster Weise mit hölzernem 
Tafelwerk ausgestattet werden. Für die Decken hatte das Mittel- 
alter an den einfachsten Grundzügen der Construction festgehalten 
und die Balken sammt ihren Stützen und den Kopfbändern durch 
freies Schnitzwerk ausgezeichnet. Diese Sitte erhält sich auch 
während der Epoche der Renaissance, nur dass die Formen zum 
Theil der Antike entlehnt werden. Ein schönes Beispiel dieser 
Art bietet der Vorsaal im Rathhaus zu Rothenburg an der 
'l'aubei- (Figlx), das prachtvollste aber der mächtige Vorsaal des 
Rathhauses zu Sehweinfurt. Bald indess dringt auch hier der 
antikisirende Stil durch, und die Decken werden nunmehr mit 
einem reichen Kassettenwerk geschmückt, welchem die construc- 
tive Grundlage nur als leichter Anhalt dient. Durch feinere oder 
kräftigere Profilirung', durch reichere oder einfachere Ornamentik 
stufen sich diese Decken nach dem verschiedenen Charakter der 
Raume in mannigfaltiger Weise ab. Hand in Hand damit geht 
die Ausstattung der Wandflachen, wo dieselben nicht etwa mit 
Teppichen bekleidet werden. Ein System von Pilastern oder 
Halbsaulen, ja an hervorragenden Punkten von frei heraustreten- 
G  
1) Herausgeg. von M. 
logau. 1863. F01. 
Nohl 
und 
Bogler 
mit 
Text 
von W. 
Lübke
        

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