Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307196
VII. 
Die Forlnenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 
77 
Wege einer achten und zwar auf den Gewölbebau berechneten 
Ante? Jedenfalls wird durch ihn das Dorische auf längere Zeit 
die Pilasterordnung im vorzngsweisen Sinne. 
PeruzzTs dorische Pilaster 1509 an beiden Stockwerken der 
Farnesina.  Giulio Romano braucht über einem Hauptstock- 
werke mit dorischen Pilastern bereits blosse einrahinende Mauer- 
bänder. (Besonders beliebt wurde die dorische Ordnung auch 
an jenen vertretenden Säulen neben Portalen. ä. 51). 
Seit 1586 erbaute Jacopo Sansovino zu Venedig die Biblio- 
teca, das priichtigste profane Werke des modernen Europa, als 
wahre Exhibition der ionischen und besonders der dorischen Ord- 
nung. Das Motiv ist bekanntlich eine Doppelhalle von Bogen- 
pfeilern mit Halbsäulen; in der obern Halle ruht der Bogen auf 
einer besondern kleinern cannelirten ionischen Ordnung. Die 
Venezianer wollten sich endlich an der ächten römischen For- 
menbildung ersättigen, nachdenrsie bis dahin Renaissance mehr 
auf Hörensagen gehabt. Die Wirkung ist so schön, dass Sanso- 
vino auch für gewisse Freiheiten Recht behält, z. B. für die Ver- 
grösserung der Metopeil auf Kosten des Durchmessers der 'l'ri- 
glyphen und des Architravs. Der berühmte Streit über die Ecke 
S. 29. Sansovino traf das einzig Richtige. Die feinern Freihei- 
ten des iichten griechisch-dorischen  gleichviel, ob sie optischen 
oder constructiven Ursprunges seien  wozu auch. das Vorrücken 
der letzten Triglylahe auf die Ecken gehört, finden auf eine 
blosse Bekleidnngsordnung, die ihrer Pfeilerhalle gehorchen muss, 
gar keine Anwendung; hier gehört die 'l'riglyphe auf die Mitte 
ihrer Stütze, ob sie die letzte sei oder nicht, und ob Vitruv 
etwas von Halbmetopen berichte oder nicht. Sansovino brauchte 
mindestens den Raum einer halben Metope, wegen der unver- 
meidlichen Stärke seines mit Pilastern bekleideten Eckpfeilers, 
und bog also seine Metope in der Mitte um die Ecke. _Vitruw' 
hatte wohl mit seinen Semimetopia nur irgend ein Segment einer 
Metope überhaupt gemeint; die fanatischen Vitruvianer aber, 
welche Sansovino umringten, gaben sich glücklicherweise mit 
seiner buchstablichen Deutung zufrieden.  
54. 
der 
ä. 
Vermehrung 
Contraste. 
In dieser Periode geschah es häuüger, dass man statt der 
Pilasterordnnngen Halbsäulen und zwar stark vortretend,  ver- 
doppelt anwenclet. S0 RafaePs Pal. Vidoni-Cztffarelli in Rom, 
Pal. Uguccioni in Florenz (Fig.   (Die vielleicht erste ganz 
frei vertretende Säulenorclnung ä. 37.) 
An einigen Palastfronten wird schon eine ganze Fülle von 
Contrasten um des höhern Reizes willen zusammengestellt. Die
        

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