Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307150
KaP- 
VII. 
Die Formenbehandlung des XVI. 
Jahrhunderts. 
73 
auch nicht von denjenigen, Welche sich bei gewissen Constructio- 
nen von selbst ergeben, sondern von der Nische für das Auge. 
Sie wechselt fortan gerne an Palastfacaden mit den Fenstern ab, 
gleichviel ob ihr eine Statue gegönnt sei oder nicht. Wie die 
stärkere Plastik der vertretenden Theile, so wirkt sie zurücktre- 
tend; ihr Schatten ist wie der aller Rundflächen der schönste. 
An den Kirchenfacaden des XV. Jahrhunderts standen die 
Statuen auf Consolen vor den sehr Hachen Nischen (Certosa von 
Pavia) oder unter Tabernsrkeln mit Flachnischen  Bernardino 
zu Perugia, Fig. 21). Im XVI. Jahrhundert erhalten sie die halb- 
cylindrische, vollständige Nische. Im Innern, wo die Pfeiler 
jetzt gern je zwei Pilaster erhalten, kommen zwischen die letztern 
eine oder auch zwei Nischen über einander. Vielleicht herrscht 
diess Motiv zum ersten Mal vollständig in Bramantds und Ra- 
faePs "Plänen von S. Peter.  66.) 
Die Fenster des XV. Jahrhunderts  89), meist rundbogig, 
hatten nur ihr ringsum gehendes Profil, welches z. B. im Back- 
steinstyl sehr reich sein konnte. Bei den vor der Hand wenig 
zahlreichen rechtwinkligen Fenstern, welche noch Steinkreuze 
bekamen (Hof im Pal. Pius II. zu Pienza, Pal. di Venezia in 
Ilom) hatte sich zaghaft und wenig bemerklich der Pilaster ge- 
meldet. welcher dagegen an T horen und ZWEII: sowohl im Innern 
der Gebäude als an der Hauptpforte (Genua) zumal an Kirchen- 
portalen sehr prächtig verziert auftrat. Alberti de arte aedif. 
L. IX, c. 3: nfenestras ornabis opere corinthio, primariuni ostium 
ionico, fores tricliniorum et cellarum et eiusmodi (loricom  
was durchaus nur von Pilastern zu verstehen ist. Die Fenster- 
friese erhielten früh schon Inschriften. 
Kirchen hatten von jeher an Fenstern und 'l'hüren wenig- 
stens das Vorrecht des Giebels, eine Erbschaft der Gothik, wenn 
man will. (Als frühester Thürgiebel der Renaissance gilt der im 
Noviziat von S. Croce in Florenz.) 1 Auch hatte man sich an den 
Hauptportalen der vertretenden Säulen nicht ganz entwöhnen 
mögen (Certosa von Pavia, S. M. delle Grazie in Mailand, vgl. 
ä. 37). Doch weit in den meisten Fällen begnügte man sich 
mit einem verzierten Pilasterportal, darüber ein Giebel. Die 
vier höchst prachtvollen Fenster der Facade der Certosa waren 
eigentlich als Pforten gedacht, ihre Pfosten und Oberschwellen 
antiken Thüreinfassungen nachgebildet; über dem reichen Fries 
und Gesims die Giebel in Gestalt von Voluten mit Figuren und 
anderem Schmuck; innerhalb der Pfosten, als Stützen der einge- 
setzten je zwei Bogen, die berühmten marmornen Candelaber. 
Im XVI. Jahrhundert gibt es kein Beispiel solchen Reich- 
thums mehr. Zunächst bekommen die Portale auch an weltlichen 
1 Vagari III, 
2797 
di Michelozzo.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.