Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307136
VII. 
Die Formenblc-zhandlmlg 
Jahrhunderts. 
des XVI. 
In der That gab man die vegetabilische Ausdeutung, welche 
die reifere antike Baukunst ihren Profilen verliehen (Blattreihen, 
Perlstab etc.) und welche schon die Frührenaissance nur sehr 
ungleich (und vielleicht nur am Triumphbogen des Alfons im 
Castello 11uovo zu Neapel ä. 109, vollständig) angewandt hatte, 
jetzt völlig Preis und beschränkte auch die Capitälformen auf das 
Nothwendige. (Ueber das Canneliren vgl. ä. 35.) Ja man fand 
den Reichthum, auch wo man ihn ausdrücklich suchte (haupt- 
sächlich im Innern) doch nicht in den reichen römischen Formen, 
sondern in gemalten Füllungen, stuechirten Pilastern, am Aeus- 
sern in Guirlanden, Masken, Bandwerk u. drgl. an Fenstern und 
Thüren; selbst an kleinern Zierarbeiten (Grabmälern, Altaren) 
mochte man dann nicht mehr auf die entsprechenden vollständi- 
gen römischen Prachtformen zurückgehen. Der Barockstyl fand 
endlich jenen Rückweg vollends nicht mehr und vervielfachte 
lieber seine Gliederungen als dass er sie in jener ganz erlaubten 
Weise bereichert hätte. 
g. 50. 
und Einwirkung 
Detailproben 
der Festdecoration. 
Auf jede Weise sucht man sich des wahrhaft Wirksamen zu 
versichern. Ausser den Probemodellen einzelner Bautheile in 
wirklicher oder nicht viel geringerer Grösse War auch die bau- 
liche Decoration bei Festen jetzt eine sehr wichtige Quelle der 
Belehrung.  Vgl. illichelangelds sechs Braccien hohes Modell 
einer Ecke des Kranzgesimses für Pal. Farnese. 1 Auch Fenster, 
Säulen, Bogen etc. modellirte er seinen Bauführern und Stein- 
metzen gerne aus Thon vor, ohne Zweifel in einiger Grösse. 2 
Seine Gebäude scheinen dieses Verfahren durch eigenen Formen- 
ausdruck zu verrathen. 
Die Wichtigste Seite der Festdecoration lag darin, dass man 
sich in Holz, Gyps und Carton rasche Rechenschaft von dem gab, 
was auch in Stein und in demselben Massstab wirken könne. 
(ä. 189.) Sichtbar ist aus derselben in die Architektur herüber- 
genommen unter andern der sog. Cartoccio, ein Versteinertes ge- 
schwungenes, auch wohl verschlungenes Band oder Blatt von Carton. 
Vgl. Serlio L.VII, p. 78, s. und Lomazzo, trattato dell' arte. L. VI, 
p. 421, wo die namhaften Arbeiten des XVI. Jahrhunderts für Car- 
tocci, Guirlanden, Masken etc. aufgezählt sind. Mit dem Werth der 
Festdecoration als Bauprobe hängt dann auch zusammen, dass man 
sie bald mit mehr als gebührlicher Strenge architectonisirte und 
ihre Freiheit nicht auf die wahre Weise achtete (vgl. ä. 190). 
Vasari XII, p. 231, v. 
Cellini a1 Varchi 1546. 
1 
Benv. 
di Michelangelo. 
Letztere 
1  
pittoriche
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.