Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1306958
Kap 
Die 
der 
Formenbehandlung 
F rührenaissance. 
53 
facatlen. In jeder der drei Richtungen verlangt insbesondere die 
Frage der Gesimse, zumal des obersten Kranzgesimses eine eigene 
Lösung. Es ist eine Sache des feinsten Tactes, die Gesimse, 
welche sich nicht in Flachdarstellung umsetzen lassen, wie die 
zum Pilaster umgedeutete Säule, richtig zu (len Pilastern und 
zugleich zum Ganzen zu stimmen. 
Für das Kranzgesimse tritt die Frage ein: ob es mehr ein 
Gesimse des obersten Stockwerkes oder des ganzen Gebäudes 
sei? Ferner kommt eine allgemeine Voraussetzung in Betracht, 
welche während der ganzen guten Bauperiode herrschte: dass 
das Kranzgesimse eins sein müsse und keine Unterbrechung ver- 
trage. Principielle Aussage hierüber bei Serlio L. IV, fol. 178 
und zivar mit Berufung auf Bramante. Ausserdem verlangen in 
die allgemeine Harmonie verschmolzen zu werden: die Wucht 
des Sockels, die Massigkeit des Erdgeschosses, die Nuancirung der 
Fenster nach Stockwerken u. A. m.; namentlich bedingen sich 
Fenster und Pilaster in hohem Grade. Aus diesem und andern 
Elementen entsteht ein Scheinorganismus, der im Detail aus dem 
Alterthum entlehnt, in deriCombination völlig neu ist undhöchst 
wahrscheinlich als der bestmögliche Ausdruck für den Rhythmus 
der Massen, für die Architektur den Proportionen betrachtet 
werden (larf. Gemäss dem Character der Zeit, welcher das Indi- 
viduelle auf das Höchste entwickelte, olfenhart sich auch hier 
eine freie Vielgestaltigkeit, "aber eine gesetzliche, von aller Phan- 
tastik entfernte. 
Die 
g. 39. 
Rusticafagade von Florenz und 
Siena. 
Der fiorentinische Burgenbau .aus Quadern wird von jeher 
die Vorderseite derselben roh gelassen haben; es genügte die 
genaue und scharfe Arbeit an den Kanten. Als die Burgen zu 
Palästen wurden, behielt man diese s. g. Rustica bei, und das 
Gebäude war damit als ein adeliges oder öffentliches bezeichnet. 
Mit der .Zeit gesellte sich hiezu Absicht und künstlerisches Be- 
wusstsein und so wurde der florentinische Palast ein gewaltiges 
Steinhaus, dessen {Eindruck auf Wenigkeit und Mächtigkeit der 
einzelnen Elemente beruht. - 
(Die stolze Festigkeit dieser Fagaden und ihre Wirkung auf 
die Phantasie. Ihre Vornehmheit: mion esser cosa ClVllBß vgl. 
 9, bei Anlass des Pal. Strozzi.) 
Nach einer Rechtfertigung aus unfertigen, irrig für vollendet 
gehaltenen Römer-bauten (Porta maggiore in Rom, Amphitheater 
von Pola und Verona etc.) sah sich erst das XVI. Jahrhundert 
um; die Friihrenaissance behandelte die Rustica ohne alle küm- 
merliche Rücksicht auf Rom als Hauptausdrucksmittel des mäch-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.