Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1306885
46 
Buch. 
Renaissance in Italien. 
A. Architektur. 
Sarkophagen, Candelabern etc. wurden Anfangs in die Archi- 
tectur verschleppt. 
Eine grössere Gefahr lag in der plötzlichen und sehr hohen 
Werthschätzung der classischen Zierformen. Dass dieselben nicht 
die Architectur überwucherten, verdankt man einzig den gross- 
artigen Bauabsichten und der hohen Massigung der Florentiner. 
Man erwäge die allgemeine Zierlust und die Prachtliebe des XV. 
Jahrhunderts, die rasch wachsende Zahl behender Decoratoren 
und die Hingebung der grossen Florentiner selbst an die Decora- 
tion, sobald es ihnen die strenge Kunst erlaubte.  Michelozzo meis- 
selte selber Capitäle, wenn ihn der Eifer ergriff; so z. B. für eine 
Thür im Signorenpalast zu FlorenzÄ Schön gearbeiteteiCapitäle 
führten bisweilen zu grössern Aufträgen; Andrea Sansovino bekam 
daraufhin die Durchgangshalle zwischen Sacristei und Kirche in 
S. Spirito zu bauen. 2 
In der Theorie weist z. B. um 1500 der Neapolitaner Gio- 
viano Pontano (ä. 9) dem Ornamente die erste Stelle an und 
gestattet selbst dessen Uebertreibung: net in ornatu quidem, 
cum hic maxime opus commendet, modum excessisse etiam landa- 
bile estß  Der Florentiner Alberti dagegen, der es in seinen 
Bauten liebte, weist ihm doch in seinem Lehrbuche schon 50 Jahre 
früher einen nur secundären Rang an. L. VI, c. 2: die Schön- 
heit liege in einer solchen Harmonie aller Theile, die bei jedem 
Hinzufügen oder Weglassen verlieren würde; weil es aber that- 
sächlich noch immer scheine, als müsse Etwas hinzugefügt oder 
weggelassen werden und doch das Vollkommnere schwer anzu- 
geben sei, so habe man die Zierformen eingeführt als eine 
vsubsidiaria luxc, als vcomplementumm der Schönheit. Letztere 
müsse dem Ganzen eingeboren sein und es durchströmen, während 
das Ornament die Natur von etwas ausserlich Angeheftetem 
behalte. (L. IX, c. 8. s. nochmalige Ermahnung, den Schmuck 
zu mässigen und weise abzustufen.) 
Säule, 
Die 
der Bogen und 
das gerade 
Gebälk. 
Die Säule war in Italien niemals ernstlich durch den geglie- 
derten Pfeiler verdrängt worden; jetzt wurde sie ihrer ächten 
Bildung zurückgegeben und Wieder mit ihrer alten Zubehör von 
Basen und Gebälken in Verbindung gebracht. Ueber die Begei- 
sterung für die Säule als solche  30. Von den Gesetzen ihrer 
Erscheinung weiss Alberti u. A.: dass Säulen, wenn sie sich von 
der Luft abheben, schlanker erscheinen als vor einer Wand und 
1 Vasari III, p. 275, v. di Michelozzo. 
Cronaca und p. 162, v. di A. Sansovino. 
Vasari VIII , 
1217 
di
        

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