Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1306878
Kap 
Die 
Formenbehandlung der Frührenaissance. 
45 
stammte; dagegen hatte sie sich von der librmensprache der 
Römer schon desshalb" angezogen linden müssen, weil diese ihr 
Detail bereits als freies decoratives Gewand gehandhabt hatten. 
Mit aller Anstrengung suchte man sich nun von jenem schweren 
formalen Widerspruch zu befreien. 
Dazu kam aber noch das stärkste allgemeine Vorurtheil für 
das alte Rom. Es ist ganz unnütz zu fragen, 0b die alten 
Italiener ein neues eigenthümliches Detail hätten schaffen sollen 
oder können. Ihre ganze Bildung, die Vorgängerin der Kunst, 
drängte längst auf den allgemeinen Sieg des Antiken hin; die 
Sache war im Grossen völlig entschieden, ehe man die Baukunst 
irgend um ihre Beistimmung fragte. Für Mittelitalien handelte 
es sich zugleich um einen Sieg der Form über den Steif; eine 
bunte Incrustation von Marmor aller Farben und von Mosaik an 
den wichtigsten Kirchenfagaden musste weichen vor der ernsten 
Plastik des römischen Details, mochte auch letzteres thatsächlich 
ebenfalls nur ausserlich einem Kernbau aus anderm Stoffe ange- 
fügt werden, wie schon bei den alten Römern selbst. 
Ausserdem adoptirte man nach Kräften auch die Gesetze 
der römischen Construction. Dabei Wusste man jedoch nichts 
anderes, als dass Anlage, Hauptformen und Verhältnisse gemäss 
dem jedesmaligen Zweck und der Schönheit erfunden werden 
müssten. Die Renaissance kennt beinahe gar keine Nachahmungen 
bestimmter einzelner Römerbauten. Sie hat z. B. trotz aller 
Bewunderung keinen einzigen Tempel repetirt und überhaupt das 
Antike nur im Sinne der freiesten Combination verwerthet. (Vgl. 
ä. 28 das Wort des Franc. di Giorgio.) Die Proportionen 
sind vollends ohne Ausnahme frei gewählt und der Einfluss 
der antiken Ordnungen auf sie nur ein scheinbarer. In That 
und Wahrheit hängt die Behandlung der Ordnungen eher von 
den Proportionen ab. 
Das 
 ä. 34. 
Verhältniss zu den Zierformen. 
Anfangs schied man nicht, was der guten oder der gesunkenen 
Römerzeit, was Gebäuden höchsten Ranges oder blossen Verkehrs- 
bauten etc. angehörte; auch vergrösserte und verkleinerte man 
nach Belieben das für einen bestimmten Maassstab Geschaffene. 
Ein in Fiesole gefundenes wunderliches ionisches Capitäl wird 
von Giuliano Sangallo zum durchgehenden Muster genommen für 
die Colonnade des Hofes von S. M. Maddalena de' Pazzi in 
Florenz. 1 Vieles dergleichen, namentlich in den Kranzgesimsen, 
s. unten. Formen des römischen Decorationsstyles, von Altären, 
1 Vasari 
VII, 
2111 
Giul. 
Sangallo.
        

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