Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1306858
KaP- 
Theoretiker. 
Die 
43 
Das reich illustrirte Manuscript der Baulehre des Antonio 
Averulino, genannt Filarete, verfasst um 1460, auf der Marcus- 
bibliothek zu Venedig; die Textproben bei Gaye 1 enthalten 
ausser jenem Fluch über das Gothische (ä. 22) einen Segensspruch 
über die Renaissance, sodann ein merkwürdiges Verzeichniss aller 
damaligen berühmten Künstler der neuen Richtung. (Vgl. ä. 91.) 
Aus dem um 1480 verfassten Trattato des Francesco di 
Giorgio (ä. 28) Auszüge bei Della Valle; 2 die etwas vorgerück- 
tere Zeit erkennbar durch das seitherige Erwachen verschiedener 
Richtungen, wovon nur das Wenigste die Billigung des Autors 
hat; er findet lauter nlrrthümer, schlechte Proportionen und 
Fehler gegen die Symmetrien 
In Lionardo's Papieren Vieles über Mechanik; sein Mühlen- 
buch etc.  Ueber Fra Giocondo, seinen Wasser- und Brückenbau 
und seine theoretische und allseitige Gelehrsamkeit vgl. Vasari, 
IX, p. 156, 160, 162, 166 v. di Fra Giocondo, Text und Noten. 
Präcise Geister achteten an der Baukunst überhaupt mehr die 
mathematische als die künstlerische Seite. Federigo von Urbino 
schreibt 1468: ndie Architectur ist gegründet auf Arithmetik und 
Geometrie, welche zu den vornehmsten unter den sieben freien 
Künsten gehören, weil sie den höchsten Grad von Gewissheit in 
sich habenm 3 
Vornehmlich Sebastiano Serlio v. Bologna und sein Sammel- 
werk dell" architettura (mit verschiedenen Titeln der einzelnen 
Bücher); die erste Ausgabe in folio, Venedig seit 1540; wir 
citiren die verbreitetere Quartausgabe, Venedig 1584. Nicht in 
theoretischer, sondern mehr in zufälliger Ordnung Aufnahmen 
aus dem Alterthum und eine grosse Anzahl von Bauten und Ent- 
würfen der Renaissance, zum Theil von der Erfindung des Autors, 
zum Theil nach Zeichnungen des Baldassar Peruzzi, den er mehr- 
mals dankbar nennt. (Ueber die Wirkung des Buches nach der 
ungünstigen Seite vgl. ä. 12.) 
g. 32. 
Polifilo. 
Neben der Theorie und der mathematischen Begründung hat 
auch der Gegenpol, die bauliche Phantastik, in der Literatur ein 
Denkmal hinterlassen: den architectonisch-a1leg0rischen Roman 
Hypnerotomachia des Polifilo, d. h. des im Orient gereisten 
Dominicaners Fra Francesco Colonna von Venedig, geb. um 1433, 
gest. erst 1527. Die Abfassung des Werkes nach 1485, der erste 
Druck 1499; seither mehrere Ausgaben mit den Originalholz- 
1 Carteggio I, p. 200-206. 
Carteggio, I, p. 214, vgl. 276. 
Letters sanesi, 
III 
108. 
Gß-Yea
        

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