Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309736
KüP' 
Decorationen 
des Augenblickes. 
331 
verkappten Menschen componirten Meerwunder trefflich zu pas- 
sen schienen. 
Sehr richtig verlangt Serlio für die Bühne reines Oberlicht 
(lurch Kronleuchter, statt des abgeschmackten Rampenlichtes der 
modernen Theater. Vor bloss gemalten Personen warnt er, gibt 
aber doch Intermezzi von ausgeschnittenen Cartonfiguren zu, deren 
unterer Rand in einem Falz des Bühnenboclens laufen müsse. 
Feuerwerk 
ä. 195. 
und Tiächaufsätze. 
Auch das Kunstfeuerwerk war in Italien gegen Ende des 
XV. Jahrhunderts so ausgebildet, (lass es den Festlichkeiten einen 
höhern Character verleihen konnte. 
(Auch wohl in Spanien, vgl. das Feuerwerk in Barcelona 
1501, bei Hubert. Leodius, de vita Friderici II. Palatini, LÄII.) 
Auch hier sind Florentiner unentbehrlich. Phil. Beroaldus 
l. c. (ä. 187): am letzten Abend des Festes gab es auf dem Platz 
vor dem Palast ein neues und ungewohntes Schauspiel, bei den 
Leuten Girondola, d. h. F lammenkreis geheissen, von einem floren- 
tinischen Machinator. (Es scheint misslungen zu sein, aber trotz 
Schreckens und verbrannter Kleider gefiel es um der Neuheit 
Willen.) 
Das theoretische Werk des Vannuccio Biringucci von Siena, 
Pirotechnia (erste Ausgabe, Venedig 1540) steht uns nicht zu 
Gebote. Ueber den Autor vgl. Milanesi III, p. 124. 
In Florenz knüpfte sich eine wahrscheinlich schon alte Aus- 
übung an das Johannisfest. Die Hauptschilrlerung der Girandola 
in den ersten Jahrzehenten des XVI. Jahrhunderts, ziemlich 
dunkel, bei Vasari X, p. 274, v. di Tribolo, welcher letztere auf 
Befehl Cosimds I. (vgl. ä. 56) dem Feuerwerk die phantastischen 
Elemente benahm und einen classischen achteckigen Tempel an 
deren Stelle leuchten liess.  Vgl. XI, p. 288, v. di Rid. Ghir- 
landajo, dessen Gehülfe Nunziata in diesem Fache sehr gerühmt 
wird. 
Nach dem Feuerwerk sind wir auch dem Zuckerwerk und 
den Tafelaufsätzen eine Notiz schuldig, insofern diese Dinge bis- 
weilen mit grossen decorativen und plastischen Ansprüchen auf- 
traten. t 
Ja bisweilen alle Speisen überhaupt in Phantasieform. Ein 
colossa-les Beispiel Corio, Stor. di Milano, fol. 239, s. bei Anlass 
der Hochzeit einer Visconti mit einem englischen Prinzen 1368. 
Beim Empfang der Lionora durch Cardinal Pietro Riario (ä. 187),1 
vergoldete Speisen, travestirte Gerichte, z. B. ein Kalbskopf als 
417, 
Corio,
        

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