Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309677
190. 
Der 
Triumphbogen. 
Die Triumphbogen, jetzt fast nur in Steinfarbe, schliessen 
sich, wenn nicht bestimmten römischen Mustern, doch genau der 
antiken Bildung der Einzelformen an. Eine baldige Consequenz 
hievon ist die Steinfarbe auch an den Statuen und das Chiaro- 
scuro an den Malereien, welche jetzt durchaus das Relief nach- 
ahmen.  
Die vorgesetzten Säulen mit Statuen darüber, schon beim 
Possesso Alexanderls VI. erwähnt, werden jetzt zur Regel. Ver- 
silberte Säulen mit vergoldeten Capitälen kommen Wohl noch vor, 
doch herrscht schon die Steinfarbe. Bei Leo's X. Possesso, wo 
sich der frühere und der spätere Styl mischten, kamen noch 
an einzelnen Bogen lebende Figuren vor, z. B. sogar mitten im 
eassettirten Gewölbe eines Bogens, in einer sich plötzlich öffnen- 
den Kugel ein Kind, welches zwei Distichen hersagte; sonst sind 
alle Statuen von Stucco, ja an einem Bogen hatte man echt- 
antike Statuen und Büsten angebracht. 
Die Bogen bei Leo's Empfang in Florenz hatten ohne Zweifel 
sämmtlich streng architektonische Formen; auf dem Signorenplatz 
war ein vierseitiger, vielleicht nach dem Motiv des Janusbogens, 
wie denn an Verschiedenheit der Combinationen gewiss das 
Möglichste versucht war. Einer schien wie aus lauter Porphyr. 
Die Bogen bei spätern Anlässen (ein sehr prächtiger bei 
einem iiorentinischen Fest 1525, Vasari XI, p. 216, v. di Aristotile) 
sind bisweilen so nherrlieh und proportionirts d. h. in Vasari's 
Sinn so sehr der strengen Architektiln genähert, dass man nur 
ihre Ausführung in Marmor wünschte, um sie unter die Wunder 
der Welt zählen zu können. (Cagnolafs Simplonbogen in Mai- 
land ist bekanntlich das marmorne Naehbild eines Festbogens, 
welcher das grösste Wohlgefallen erregt hatte). Auch Serlio's 
Vorschrift und Vorbild (L. IV, p. 180) ist streng classisch. 
Das tiefste Missverständniss der Aufgabe, d. h. die weiteste 
Abwendung von Heiterkeit und Freiheit zeigte sich 1556 in 
Venedig bei Anlass der Einführung einer Dogaressa an einem 
Triumphbogen der Metzgergilde, dessen Säulen und Pilaster 
lauter Rustica hatten] Rubens hat später diess Motiv aufge- 
griffen für seine Decorationen in Antwerpen beim Empfang des 
Cardinal Infanten, allein er half sich mit einer glücklichen ba- 
rocken Freiheit durch. 
Dass fast alle Malereien der Bogen jetzt nur noch Reliefs 
nachahmten, d. h. in Chiaroseuro ausgeführt waren, machte sich 
Sansovino, 
Venezia, 
154.
        

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