Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309380
296 
Buch. 
in Italien. 
Renaissance 
Decoration. 
lich eine möglichst wohlgefällige Ausfüllung der einzelnen Ge- 
wölbetheile mit gemaltem Rankenwerk, Rundbildchen, Putten, 
Guirlanclen u. s. W. 
Einwirkung 
g. 174. 
der antiken 
Grottesken. 
Eine allgemeine Veränderung ging in der ganzen Decoration 
der Mauern und besonders der Gewölbe vor sich, seit der Ent- 
deckung (oder nähern Prüfung) der sogenannten Grotten, d. h. 
verzierter Räume von Thermen und Palästen des Alterthuins. 
Die Verhältnisse von Stucco und Farbe, sowie die Formen, Ein- 
theilungen und Gegenstände, welche man hier vorfand, machten 
den stärksten Eindruck auf die beginnende Hochrenaissance und 
wurden theils mehr unmittelbar nachgeahmt, theils mit dem bis- 
herigen System verschmolzen. Die Nachwirkung dehnte sich auch 
auf alle übrigen Gattungen der Decoration aus. 
Der Name Grottesken, durch spatern Verfall der Gattung 
zu einer schiefen Bedeutung herabgekommen, bezeichnete damals 
die" von den antiken Grotten abgeleitete Decoration. Der früheste 
offizielle Gebrauch in dem (S. 172 erwähnten Contract mit Pin- 
turicchio 1502: er sei verpflichtet, das Gewölbe der Libreria zu 
schmücken mit solchen Phantasien, Farbemund Eintheilungen, 
die er für das Zierlichste, Schönste und Wirksamste (vistosa) 
halte, in guten, feinen und festhaftenden Farben nach derjenigen 
Art (forgia, lies foggia?) und Zeichnung, Welche man jetzt ngrot- 
tescheu heisst, mit abwechselndem Schmuck der einzelnen Felder 
(con li campi variati), so schön und zierlich als möglich. 
Der Anfang des Studiums der nGrottenu soll geschehen sein 
durch einen gewissen Mcrto da Feltre, von welchem nur Vasari 
(IX, p. 106,  v. di Morto) etwas weiss. Derselbe kam jung 
nach Rom zu der Zeit, als Pinturicchio im Appartamento Borgia 
und in der Engelsburg für Alexander VI. malte, also 1492 bis 
1495. Er zeichnete nicht bloss, was er in Rom nUnterirdischesu 
erreichen konnte (ohne Zweifel besonders die Titusthermen), 
sondern auch, was in der Villa Adriana bei Tivoli und in Poz- 
zuoli, Bajä, und Umgegend noch vorhanden war. Hierauf soll 
er nach einem kurzen Aufenthalt in Rom sich nach Florenz und 
später nach, Venedig begeben haben. Von seinen decorativen 
Arbeiten in beiden Städten ist nichts mehr erhalten und eben- 
sowenig von denjenigen seines fiore-ntinischen Schülers Andrea 
Feltrini, eines sehr vielseitigen Decorators, auch für Facaden, 
Zimmerdecken, Prachtfahnen, Laubwerk für kostbare gewirkte 
Stoffe u. s. w.  
Zunachst_musste ein dauerhafterer Stucco wieder erfunden 
werden, der nicht mehr stückweise abfiel (ä. 173). Das Recept
        

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