Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309378
KRP- 
VII. 
Innern. 
Stucchirung des 
Malerei und 
295 
Michelangelo wählte für seine hochernsten Malereien in der 
sixtinischen Capelle ein strenges Steingeriiste zur Einfassung, 
allein er belebte dasselbe durch und durch mit den herrlichsten 
Füllflguren jedes Grades und Vortrages und verschiedener Farbe, 
abgesehen von den Hauptgestalten und Historien. 
173. 
Die 
ersten 
Stuccaturen. 
Neben der Malerei und bald auch in Verbindung mit ihr 
hatte sich an den Gewölben schon um die Mitte des XV. Jahr- 
hunderts eine lalastische Decoration aus Gyps oder Stucco ein- 
gefunden, Anfangs wohl zur Darstellung der Gassetten, später zu 
stärkerer Betonung der Formen jeder Art. 
L. B. Alberti, der sich der Berechnung und Ausbildung der 
Stucco-Cassetten für jede Art von Gewölben ausdrücklich rühmt 
 48), meldet de re aediiicatoria, L. VI, c. 9: signa und sigilla 
(d. h. wohl verzierte Quadrate und einzelne Figuren) von Gyps 
in Formen gegossen und durch einen Firniss (nnguentum) dem 
Anschein des Marmors genähert, seien in zwei Arten üblich: in 
Relief (prominens) und in Vertiefung (castigatum und retunsum), 
erstere mehr für Wände passend, letztere mehr für Gewölbe, da 
hängende reliefirte Theile leicht abiielen (um 1450). 
In farblosem Stucco sind in der That Donatellds Reliefs und 
Ornamente am Gewölbe der Sagrestia vecchia bei S. Lorenzo 
in Florenz gearbeitet. Es ist die erste vollständige Emancipation 
vom Gewölbeschmuck des Mittelalters, wahrscheinlich bereits be- 
ruhend auf Studien nach (damals besser als jetzt erhaltenen) 
römischen Gewölben. (Ueber diese u. a. Stuccosachen Vasari lIl, 
244, 253, 260, v. di Donatello.)  
 Sodann liebten es mehrere Maler des XV. Jahrhunderts, in 
ihren Fresken und sogar in Tafelbildern (Carlo Crivelli) gewisse 
Partieen, namentlich Waffen, Attribute und Architekturen er- 
haben aus Stucco aufzusetzen; wie z. B. in den Fresken der 
Legende der h. Catharina im Appartamento Borgia (vielleicht von 
Pinturicchio), wo die Prachtbauten, Triumphbogen etc. erhöht 
und vergoldet hervortreten; Aehnliches in den Gewölbedecoratio- 
nen eines dieser Säle,  171, ist dann schon eigentliches ver- 
goldetes Stuccoornament. Nlan wünschte ausser der Farbe noch 
ein starker wirkendes Element, wenigstens für einzelne Theile 
der Decorationw Ausserdem war man im XV. Jahrhundert des 
Gypses und anderer giessbarer und modellirbarer Stoffe gewöhnt 
von der Festdecoration her, wo dergleichen für den Augenblick 
massenweise verbraucht wurde. 
Doch bleibt die Gewölbeverzierung (abgesehen von eigent- 
lichen Malereien) noch das ganze Jahrhundert hindurch wesent-
        

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