Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309256
KßP  
Die Fagadenmalerei. 
283 
Kräfte der besten Epoche sich dieser Gattung einst mussten ge- 
widmet haben.  
Die ganze Faeadenmalerei, heute eine unverstandene Ruine 
und von den Reisenden und Künstlern wenig beachtet, müsste 
im Auftrage einer Regierung in guten Aufnahmen gerettet werden_ 
Näher verwandt mit der Fagadenmalerei als man es denken 
sollte: die decorative Einfassung mancher Miniaturen und nament- 
lich die Verzierung vieler Biieherdeckel in Holzschnitt. Letztere 
stellen gewiss häufig nichts anderes dar, als was man in den 
Malereien um Fenster und 'I'hiiren herum zu sehen gewohnt war 
und zwar in den Büchern von etwa 1480 bis 1550 ganz beson- 
ders characteristisch, je nach dem Jahrzehnt. 
168. 
Sculptur 
und 
Malerei 
der 
Wappen. 
Die Wappen, von dem strengern Styl nordischer Heraldik 
völlig losgesprochen und als freie Prachtaufgabe behandelt, bil- 
den einen nicht unwichtigen Bestandtheil der Fagadenmalerei so- 
wohl als der decorativen Sculptur. 
Italien hatte am wahren eheraldischen System so wenig An- 
theil als an dem ernstlichen Ritterthum und vermischte unauf- 
hörlich Embleme und eigentliche Wappen. F ür diese (hier nicht 
weiter zu verfolgende) Confusion eine belehrende Hauptstelle 
bei Decembrius, vita Phil. Mariae Vicecoinitis, Murat. XX, Col. 996. 
 Auch was Serlio Ende des IV. Buches verbringt, zeigt. dass 
er keine Ahnung von der Sache hat. Entscheidend für die Kunst 
War, dass man sich weder in der Form der Schilde, noch in den 
Helmzierden an irgend eine 'l'radition band und vollends in Be- 
{Erplf der Wappenhalter durchaus nur dem Gesetz der Schönheit 
o gte. 
Gemeisselte Wappenschilde schräg an den Ecken Horentini- 
scher Paläste des XV. Jahrhunderts; dann 1537 die colossalen 
Wappen Carls V. und des Herzogs Alessandro Medici an der 
Fortezza da basso zu Florenz, ersteres mit zwei nackten lebens- 
grossen Victorien, letzteres mit zwei andern Figuren (Vasari VIII, 
p. 185, v. di Baccio e Raff. da Montelupo);  ein- Wappen 
Clemens VII., jetzt untergegangen (XI, p. 77, v. di Mosca); 
Veränderung eines gemeisselten Papstwappens unter einem neuen 
Pontificat (ibid. p. 79);  colossale Wappen Paul's III. in Pe- 
rugia, wobei zum ersten Malßdie Wirkung der kräftig vertreten- 
den Tiara und der gekreuzten Schlüssel in Verbindung mit Festons 
und Masken hervorgehoben wird (ibid. p. 82).  Das Wappen 
über dem Hauptfenster des Pal. Farnese in Rom (Vasari XII, 
p. 231, v. di Michelangelo).
        

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