Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309235
Kap 
Die Fagadenmalerei. 
281 
Einer fast ganz untergegangenen Kunstgattung dürfen wir hier 
nicht mit umständlich ergänzenden Hypothesen nachgehen, zumal 
da die Nachrichten wie bemerkt die decorativen Theile kaum 
erwähnen. Eine rasche Uebersicht des Inhaltes mag genügen. 
Gegenstände 
ä. 166. 
der Fagad enmalerei. 
Zunächst gehören viele einzelne Figuren dem Gebiete neu- 
traler Schönheit an und wirken Wesentlich als symmetrisch füllend, 
sind auch wohl mit dem {ingirten baulichen Gerüste wesentlich 
verbunden.   
Attitiiden, nackte Gestalten jeder Art und Farbe, bisweilen 
als Tragiiguren, ja als Hermen;  ferner Genien, besonders 
Kinder (Putten) in Menge; Sirenen, Ziige von Tritonen und Ne- 
reiden als Friese;  auch 'l'ritone und Nereiden zu 'zweien, 
-Medaillons haltend;  einzeln und scheinbar oft in Nischen: 
Helden und Philosophen ohne Namen und bestimmte Beziehung. 
Das Religiöse nimmt bald nur ein Hauptbild nach alter Art, 
bald die ganze Fagade in Anspruch. Hauptbilder: Crucifixus 
mit Heiligen; Madonna mit Heiligen; Paradies oder Sündenfall; 
Alles mit Genrescenen derber Art verträglich, wie eine Fagade 
in Verona beweist. Gehört die ganze Facade dem christlichen 
Bilderkreise an, so erscheinen noch andere biblische Geschichten; 
 als Füllfiguren: Propheten, christliche Tugenden;  als Friese: 
die Völker, welche der ltoma-Fides ihren Tribut bringen, Türken- 
siege, 'l'haten Simsons u. dgl. 
Allegorien kommen in der guten Zeit wenige und offenbar 
mehr um der Schönheit des Motives willen gewählte vor. S0 
am Fondaco de, Tedeschi zu Venedig (seit 1504 mit den herr- 
lichsten Malereien des Giorgione, Tizian u. A. ringsum, wovon 
jetzt kaum mehr ein Schimmer sichtbar) die berühmte Figur 
Tizians, welche bald als Judith, bald als Germania galt; anderswo 
Venezia als Löwenreiterin.  Dann die eben genannte Roma mit 
den Attributen der Fides.  
Ceremonien und Aufzüge finden sich hauptsächlich in Friesen; 
an Triumphzüge jeder Art waren Poesie und Malerei längst 
gewöhnt.  Ueber die Triumphe vgl. Cultur der-Renaissance S. 
415 H. Es sind Züge von Kriegern, Gefangenen, Senatoren, 
Trägern, welche Beute, zumal kostbare Gefässe, auch Tribute 
überwundener Völker bringen u. s. w., auch antike Spiele, Wagen- 
rennen, dann als heitere Parodie Triumphe von Kindertiguren, 
Kriegsziige bewafTneter Kinder; endlich Zuge von Pilgern. 
Das Profan-Erzählende beginnt mit mythologischen Scenen, 
bisweilen ohne genau bestimmte, Beziehung, dann folgt die Ur- 
geschichte der betreffenden Stadt. endlich römische und auch
        

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