Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309189
Kapitel. 
D 
F 
H1 
162 
Ursprung 
und 
Ausdehnung. 
Von der gemalten Decoration ist ein Hauptzweig, die Facaden- 
malerei, nur durch verhältnissmässig wenige und für die Her- 
stellung des Ganzen unzureichende Reste vertreten, nachdem sie 
einst die Physiognomie ganzer Städte wesentlich hatte bestimmen 
helfen. 
Ihr Ursprung ist in den Madonnen und andern heiligen Dar- 
stellungen zu suchen, mit Welchen man im Süden von jeher die 
Mauern geschmückt haben wird. (Sehr- alte in Assisi, Perugia 
etc, Einzelnes aus dem XIV. Jahrhundert, wie z. B. eine Madonna 
mit Heiligen und blumenbringenden Engeln, von Stefano da Zevio, 
in Verona). Den Rest der Fagade schmückte man etwa mit einem 
Teppichmuster. 
Im XV. Jahrhundert neben wachsender Fertigkeit im soliden 
Freskomalen und in der Perspectivik regt sich die Lust an den 
Zierformen des neuen Baustyles und das Bedürfniss, dieselben 
gerade dann in vollem Reichthum an den Fagaden walten zu 
lassen, wenn die Mittel nicht ausreichten für Rustica oder Incru- 
station oder reichere plastische Ausbildung der Bauformen über- 
haupt, auch wenn man über Symmetrie und Proportionen nicht 
verfügen konnte. Selbst der geringsten Mauer vermochte man 
jetzt einen hohen Werth zu geben. Dazu die Sinnesweise der 
Besteller, welche die bunte Fagade so wenig scheuten, als die 
bunte Kleidung; beim Gedanken an die Vergänglichkeit verliess 
sich jene kräftige Kunstzeit ohne Zweifelüdarauf, dass die Nach- 
kommen eben so Treffliches würden hinmalen lassen, und urtheilte, 
dass man geniessen müsse was der Genius der Zeit biete. 
Die Künstler aber, darunter einige der grössten, ergriffen 
ohne allen Rückhalt den Anlass, monumental, mit grosser Frei- 
heit in der Wahl und Auffassung der Gegenstände, für den täg- 
lichen Anblick einer ganzen Bevölkerung malen zu dürfen. Was 
sie 'l'relfliches schufen, war lauterer, stets gegenwärtiger Ruhm. 
Dieser Kunstzweig schwang sich empor zu einer ernsthaften Con- 
currenz mit der reinen Architektur, nachdem er Anfangs wohl 
nur als ökonomisches Surrogat derselben gegolten hatte.  In 
Venedig wird es um 1550 zugestanden: nmolto piü dilettano (a)
        

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