Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309030
Ganze verzierte Wandbekleidungen aus der besten Zeit sind 
kaum anderswo erhalten als in Klosterrefectorien und in Sacri- 
steien, wo auch die leeren Wände eine mit den Wandschränken 
harmonisch fortlaufende Holzbekleidung verlangten. In weltlichen 
Gebäuden wird kaum mehr eine Boiserie von höherm Werthe 
vorkommen. 
Unter den erhaltenen Boiserien ist der Verfasser jetzt nicht 
im Stande, das Beste anzugeben.  Von den florentinischen 
Stubengetäfeln ist vielleicht kein einziges erhalten; man zerstörte 
sie theils weil die Mode wechselte, z. B. wenn man Arrazzen an 
deren Stelle setzen wollte, theils auch um die in das Getäfel 
eingelassenen oft miniaturartig zierlichen und werthvollen Ma- 
lereien herauszunehmen. 1 Diese, welche eine Art von Fries in 
Boiserie ausmachen mochten, sind für die erzählende Composi- 
tion in Breitformat und für die mythologische, allegorische und 
profanhistorische Malerei im Allgemeinen von nicht geringer 
Bedeutung gewesen. Sandro Botticelli malte für einen solchen 
Zweck z. B_: vier Scenen aus einer Novelle des Boccaccio, 
(Vasari V, p. 113, v. di Sandro). Auch die im Commentar p. 124 
erwähnten vier Bildchen mit den Trionfi Petrarca's könnten 
wohl eine ähnliche Bestimmung gehabt haben.  Vasari VII, 
p. 119, v. di Pier di Cosimo, dessen wStorie di favoleu in 
einem Stubengetäfel, ebenso pag. 121 nStorie baccanarieu, reiche 
Bacchanale.  Auch die vier Bilder mit kleinen Figuren, welche 
Vasari lX. p. 102, v. di Franciabigio erwähnt, hatten vielleicht 
eine solche Bestimmung.  Die Uebernehmer der Holzarbeit 
verfügten bisweilen je nach Gunst oder Ungunst über die Wahl 
des betreffenden Malers. 2  In dem Prachtzimmer der Borg- 
herini hätte man bei der Belagerung von 1529 gerne die Wand- 
bildchen Andrea's (ibid, p. 268) weggenommen, um sie nach 
Frankreich zu verkaufen; sie blieben nur, weil man das ganze 
Getäfel hätte zerstören müssen. 
Ausserdem mochte am ehesten die Thür mit einem Gemälde 
geschmückt werden. Der Anonimo di Morelli erwähnt in Vene- 
dig zwei solcher Thüren von Palma Vecchio, mit einer Ceres 
und einer Nymphe; ferner Thüren, welche von einem Schüler 
Tizians, Stefano, bemalt waren, in einem Zimmer des Hauses 
Odoni; Truhen und Bettstatt waren von derselben Hand mit 
Malereien geschmückt. 
1 Vasari III, 
(lel Sarto. 
47 
1 
di Dello. 
2 Vasari VIII , 
294  
di A.
        

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