Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1306504
Buch. 
in Italien. 
Renaissance 
Architektur. 
päpstliche Governator, welcher die Bürger beredet, eine so vor- 
nehme Stadt brauche einen viel mächtigern und schönern Dom 
als der bisherige sei. Die Kosten werden zwischen Papst, Bürger- 
schaft und Domkapitel getheilt. Einem Neubau von S. Domenico 
zu Liebe wurde eine Verkehrssteuer beschlossen. 1 
Auf dem herabgekommenen Piacenza haftete aus bessern 
Zeiten, seit zweihundert Jahren, das Gelübde, eine Madonnen- 
kirche zu bauen; die merkwürdige Berathung 1467, mit besorg- 
licher Einrede, der Herzog Galeazzo Sforza möchte die Stadt 
plagen, wenn sie Geldmittel sehen liesse. Die Ausführung ge- 
schieht hauptsächlich durch Collecte mit Hiilfe eines grossen 
Predigers, Fra Giovavnni da Lugo, begleitet von Wundern und 
Zeichen. 2 
In Venedig bekam San Micheli (gegen 1540) den Auftrag 
zum Bau der prächtigen Wasserveste S. Andrea am Lido mit 
der Bemerkung: da er in weiter Ferne die Festungen der Repu- 
blik (auf Corfu, Candia, Cypern) neu gebaut habe, möge er nun- 
mehr wohl erwägen, was seine neue grosse Verpflichtung mit sich 
bringe bei einem Bau, welcher einzig vor den Augen des 
Senates und so vieler Herren dastehen müsse. 3 
ä. 5. 
der Gewaltherrscher. 
Denkweise 
Die Herrscher, fast alle illegitim und gewaltsam, waren kraft 
psychologischer Nothwendigkeit meist so baulustig, als ihre Mittel 
es zuliessen. Bauten waren ein dauerndes Sinnbild der Macht 
und konnten für die Fortdauer einer Dynastie und für ihre 
Wiederkehr, wenn sie vertrieben war, von hohem Werthe seinß 
Gleich der Anfang der italienischen Tyrannis ist bezeichnet 
durch den Baugeist des schrecklichen Ezzelino da Romano (st. 
1259), der Paläste über Paläste baute, um nie darin zu wohnen 
und Bergschlösser und Stadtburgen, als erwartete er täglich eine 
Belagerung, alles um Schrecken und Bewunderung einzuilössen 
und den Ruhm seines Namens jedem Gemüth so einzuprägen, 
dass für ihn keine Vergessenheit mehr möglich wäre. 5 
Bald nehmen die Herrscher von Mailand, die Visconti wie 
die Sforza, mit Bewusstsein die erste Stelle unter den bauenden 
1 Graziani, cronaca, im archiv. stor. XVI. I, p. 318, 418, 575, 620.  
2 Annales Placentini, bei Murat.XX, C01. 921, ss.  3 Vasari XI, p. 115 v. 
di Sanmicheli.  4 Ueber das Verhältniss des usurpirt-en Fürstenthums zum 
Ruhme und zur Intelligenz vergl. Cultur der Renaissance, S. 6 HI, 132 und 
a. a. 0.; das Verhältniss zur Kunst, besonders zum Bauwesen umfasste Beides. 
Vergl. des Verf. Zeit Constantins d. G11, S. 464.  Die_Ba.upolitik der 
Medici, s. oben S. 5.  5 Monachus Paduanus, in fine L. II, u. a. in der 
Sammlung des Urstisius.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.