Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1308766
234 
Buch. 
Renaissance in Italien. 
Decoration. 
Scheinsarg wurde; Benedict XI, st. 1304 zu Perugia, wird in 
S. Domenico begraben nsub terra, sicut ipse mandavit dum ad- 
huc viveret, ne in alto poneretur, sed sub terra, ex magna hu- 
militate quam habebatu.) 1 
Den ersten Rang aber nimmt in der Renaissance derjenige 
Typus ein, bei welchem der Sarkophag mit der liegenden Statue 
in massiger Höhe in eine mehr oder Weniger verzierte, nur wenig 
vertiefte Nische zu stehen kommt; sehr schön vor-gebildet in 
zwei Gräbern aus der Schule der Cosmaten um 1300. (Grab- 
mal Consalvo in S. M. maggiore, Grabmal Durantis in S. M. 
sopra Minerva), wo Engel zu Häupten und Füssen des Verstor- 
benen das Leichentuch halten; die Nische mit Mosaikgemälden 
ausgefüllt.  
Die Renaissance gibt zunächst dem Sarkopliag eine freier 
bewegte Gestalt, oft voll Anmuth und Pracht, mit dem schönsten 
Pilanzenschmuck; sie erhebt ihn auf Löwenfüssezi vom Boden; 
sie. stellt über denselben eine besondere Bahre mit Teppich, auf 
welcher der Verstorbene liegt. In der portalartigen Nische wird 
entweder ein Rundrelief oder ein Lunettenrelief mit der Halb- 
figur der Madonna, bisweilen begleitet von Schutzheiligen und 
Engeln angebracht; bis tief ins XV. Jahrhundert behauptet sich 
auch der Vorhang, welchen die auf dem Sarkophag sitzenden 
oder stehenden Engel (jetzt als nackte Kindergenien) bei Seite 
schieben oder ziehen; die Pfosten der Nische erhalten bisweilen 
Statuetten von Tugenden oder Heiligen; bisweilen bleibt auch 
die Nische über dem Sarkophage frei und das Madonnenrelief 
kommt erst in den obern Aufsatz, Welcher überdiess mit Cande- 
labern oder Figuren gekrönt wird. 
Diess ist diejenige Graberform, welche vielleicht am Meisten 
zu der langen Dauer des aus Decoration und Sculptur gemischten 
Styles beigetragen hat. Der Zusammenklang freier und bloss 
halb erhabener Gestalten des verschiedensten Massstabes mit 
einer edelprachtigen Nische und den schönsten Einzelformen 
der Arabesken war ein Ziel, würdig der höchsten Anstrengung. 
Kein früherer Styl hat eine Aufgabe von diesem Werthe aufzu- 
weisen. 
Diess der vorherrschende Typus der römischen Prachtgräber 
vom Ende des XV. Jahrhunderts, zumal derjenigen in S. M. del 
Popolo. Sie müssen uns die Stelle der mit Alt S. Peter unter- 
gegangenen 2 vertreten.  
Berühmte Vorbilder: Das Grabmal des Cardinals von Por- 
tugal, von Antonio Rossellino, in S. Miniato bei Florenz; (so- 
gleich eine Wiederholung für Neapel bestellt; Vasari IV. p. 218. 
1 Brevis hist. ord. preedic. ap. Blartene, 
2 Panvinio, vgl. ä. 8, p. 287, ss., 361, ss. 
0011. 
ampliss. 
C01. 
373.
        

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