Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1308704
228 
Buch. 
Renaissance 
Italien. 
Decoration. 
Die veränderte Sinnesweise der Zeit zeigt sich sehr deutlich 
an der Santa Casa in der Kirche von Loretto, deren bauliches 
Gerüste (vom jüngern Ant. Sangallo) eine Menge Theile archi- 
tektonisirt zeigt, welche einige Jahrzehnte früher durchaus der 
Decoration anheimgefallen wären. Incrustation der Stylobaten, 
Cannelirung der Säulen, strengere Antikisirung" aller Formen. 
Von Mosca sind hier die sehr schönen ,.Festons.. Auch der achte 
eckige sog. Coro unter der Kuppel im Dom von Florenz, unter 
Bandinellfs Leitung angeblich nach dem Vorbild des hölzernen 
von Brunellesco liingestellten gearbeitet, wäre gewiss im XV. Jahr- 
hundert viel schmuckreicher gestaltet worden. 1 
Allein das Bedürfniss nach reichern Formen schlug denn 
doch wieder durch, nur auf unglückliche Weise. Da wo die 
echte Renaissance noch eigene Zierformen angewandt hatte, 
brauchte der Barockstyl nun zwar Bauformen, aber in wider- 
sinniger Verkleinerung, Häufung und Brechung. Der theoretische 
Ausdruck hiefür in ArmeuinPs Schilderung eines isolirten Hoch- 
altars (de, veri precetti della pittura, Itavennzi, p. 164); derselbe 
muss rund oder achteckig sein, um von allen Seiten einen gleich 
günstigen Anblick zu gewähren, mit ntribune, mensole, partimenti, 
nicchie, risalti, compimenti di cornice, con diversi ordini variati 
cosi finestre, iigurine et maschere di rilievo, festoni, balaustri, 
piramidiu etc., Alles wo möglich mit bunten Steinen eingelegt, 
n1it Gold eingefasst u. s. w. 
Die namhaften Decoratoren. etwa der Zeit von 1525 bis 
1550 zählt Lomazzo auf, leider ohne irgend genau die Gattun- 
gen zu scheiden und ohne weit über die Lombardei hinaus zu 
blicken. Trattato dell' arte p. 421: In den Friesen der Kapel- 
lengewölbe (also Stucco und Malerei) und der blagaden (Stein) 
mit Kinderüguren "und Masken, zeichneten sich zu unsern Zeiten 
besonders aus Ferrari (ohne Zweifel Gaudenzio), Perino (del Vaga), 
Rosso, (Giulio) Romano, der Fattorei (Penni), Parmigiano. Cor- 
reggio, (Gio. da) Undine, Pordenone;  in sonderbaren Masken 
und in Laubwerk Soncino; in Laubwerk allein: Nicolo Picinino 
und Vincenzo da Brescia (diese letztern wahrscheinlich Stucca- 
toren);  und der das Laubwerk am trefflichsten, ausser dem 
Alterthum meisselte, ist Marco Antonio  gewesen. (Das Bis- 
herige bezieht sich Alles auf die Friese der horizontalen Glieder.) 
 In Betreff der'Arabesken (ä. 134) wäre viel zu sagen; wenn 
auch Stefano Scotto ohne Zweifel der a-usgezeichnetste war, so 
hat ihn doch hierin Gaudenzio übertroffen, welcher sein erster 
Schüler und zugleich der des Lovino (Bern. Luini) war.  
(Nun kommt er nochmals auf die Friese zurück, insofern die- 
selben in der damaligen ausgearteten Weise gemalte Historien, 
l Vasari 
328, 
Bandinelli.
        

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