Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1308563
214 
Buch. 
Italien. 
Renaissance in 
Decoration. 
Im Mittelalter begnügten sich der romanische sowohl als der 
gothische Styl, wo sie die Flächen nicht den Figuren überliessen, 
mit aufgemalten Teppichmotiven. Die Decoration des Islams, 
gemalt, glasirt oder mosaicirt, ist lauter fortlaufender Teppich- 
stofl ohne Rücksicht auf eine bestimmt begrenzte Fläche. Das 
Ungenügende des Prinzips wird besonders an den Gefässen sicht- 
bar.  Von der byzantinischen Flächenverzierung gilt beinahe 
dasselbe. 
Das einzige Präcedens für das was die Renaissance zu leisten 
sich anschickte, waren spatrölnische Pilaster, zumal aus diocletia- 
nischer Zeit, welche Arabesken, von einem Rahmenproiil umgeben, 
enthalten (Pilaster am Arco de' Leoni zu Verona; am Bogen 
der Goldschmiede zu Rom enthalten die Pilaster nur reich ge- 
schmückte Bleldzeichen). 
Die Renaissance zuerst respectirte und verherrlichte eine 
bestimmte Fläche als solche. Die Vertheilung oder Spannung 
des Ziermotives im Raum, seine Beziehung zum umgebenden 
Rahmen oder Stand, der Grad seines Reliefs oder seiner Farbe, 
die richtige Behandlung jedes Stoffes schaffen zusammen ein in 
seiner Art Vollkommenes. Dass man jedoch im Ganzen die 
Alten nicht erreicht habe, ist das Gefühl Vasari's (XI. p. 74, 
v. di Mosca). 
 g. 132. 
Uebei-sicht der Ausdrucksweisen. 
Die Formensprache der Renaissancedecoration ist ungeheuer 
reich und redet fast an jedem einzelnen Werk aus verschiedenen 
Tönen zu gleicher Zeit. Das Hauptelement ist ein ideal-vegeta- 
bilisches, auf allen Stufen von dem beinahe Wirklichen bis zur 
traumhaft spielenden Verflüchtigung und anderseits bis nahe 
an die mathematische Versteinerung. Dazu kommen iigürliche 
Darstellungen, Welchen die Decoration nur als Einfassung dient; 
figürliche Zuthaten innerhalb der Decoration selbst, sowohl Men- 
schen und Thiere als leblose Gegenstände; endlich Uebergänge 
aus dem Vegetabilischen in das Menschliche und 'l'hierische. 
Dieses Alles kann im flachsten wie im stärksten Relief, ja in 
blosser Linearzeiehnung, einfarbig oder vielfarbig, mit idealer 
oder fast Wirklichkeitsgemasser Bemalung dargestellt sein, ja in 
einzelnen Stuccaturwerken können sich fast alle denkbaren Aus- 
drucksweisen mit einander vereinigen. 
Die mehr als hundertjährige Blüthe dieser grossen und 
eomplicirten Kunstgattung verdankt man wesentlich dem Um- 
stande, dass die grössten Baumeister, Bildhauer und Maler sich 
derselben unaufhörlich annahmen und ihr oft einen grossen Theil 
ihres Lebens widmeten (vgl. ä. 14). Die Bildhauer behandelten
        

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