Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1308540
212 
Buch. 
Renaissance in Italien. 
Decoration. 
quanquam satyriscis, hydris, chimaeris, monstris denique, quae 
nusquam unquam viderint, fingendis (es sind die figürlichen Be- 
standtheile der Arabesken und diese überhaupt gemeint) ita prae- 
occupantur, ut nihil praeterea reliquum esse videatur. Dii 
Deaeque omnes! neminem unum esse qui, quo sibi proiicisoendum 
sit, videat! qui ad ünem respiciatlu etc. 
' Von der starken Uebertreibung abgesehen, hat in der That 
das einfassende, einrahmende Element einen Grad der Entwick- 
lung erreicht und Mittel in Anspruch genommen, wie in keiner 
andern Kunstepoche, und doch nicht so, dass man diess unge- 
schehen wünschen möchte; das Verhältniss zu dem Eingefassten, 
mag es Sculptur oder Malerei betreifen, ist ein consequentes und 
in sich harmonisches. 
Auf keinem andern Gebiete der Kunst 
 und der Cultur überhaupt zeigt sich die 
3„ Renaissance dem romischGi Alterthuin 
l  so völlig geistesverwandt, als hier. Sie 
 bildet an dem [Teberlieferten ganz unbe- 
 fangen weiter, als wäre es ihr Eigenthum, 
 combinirt es immer von Neuem und 
 erreicht stellenweise die höchste Schön- 
 heit; (Schon die Cosmaten (ä. 16) sind 
 in ihren Decorationsarbeiten wahre Vor- 
 läufer der Renaissance. 
 Das gothische Detail muss die Italiener 
mtltjipxx des XIV. Jahrhunderts in der Decoration 
   noch mehr unglücklich gemacht haben, 
 pi i: als in der Architektur; umsonst hatten 
 sie es mit römischen Horizontalen und 
Wg 125. {Eusserbeckerl im Gesimsen, mit antikem Laubvverk _u. s. w. 
Dom zu Siena. (NohL) versetzt, wodurch es nur noch irrationeller 
wurde. Ihre Sehnsucht nach etwas An- 
derm muss auf das Höchste gestiegen sein schon hundert Jahre 
bevor im Norden das Gothische seinen letzten prachtvoll leben- 
digen Sprössling, den Decorationsstyl des sinkenden XV. Jahr- 
hunderts trieb. Während nun in der italienischen Baukunst das 
Gothische sich noch neben der Renaissance behauptete, (ä. 23). 
erlosch es in der Decoration sogleich und fast vollständig, als 
die ersten Arbeiten des neuen Styls da Waren. (Die sehr 
wenigen Ausnahmen in Venedig, s. Cicerone S. 213, "269 und 
in Genua S. 197, bestätigen nur die Regel.) 
Sogleich wetteiferte man nun mit den kühnsten und präch- 
tigsten römischen Motiven; das Weihbecken Quercials im Dom 
von Siena (Fig. 125) erreicht mit dem ersten Sprunge einen 
Inhalt, der dem reichsten römischen Candelaber parallel steht, 
und ist doch völlig unabhängig von einem bestimmten Vorbilde.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.