Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1308513
KaP- 
Die Gärten. 
209 
fehlt; aber ihr, ernstes und grosses Zusammenwirken mit Ter- 
rassen, Treppen u. s. w. kann erst eingetreten sein, als die 
Gärten überhaupt gross und die architektonischen Principien 
ihrer Anlagen völlig ausgebildet waren. 
Leider sind die hiefür entscheidenden Anlagen entweder nie 
ganz ausgeführt, oder wieder zernichtet worden; Giulio's oder 
RafaePs Garten bei Villa Madama (Vasari X, p. 90, v. di Giulio). 
Vigna di Papa Giulio III, und Orti farnesiani von Vignola;  
Michelangelds Entwurf für Marmirolo (Q. 119) und zwar nSOWOl1l 
für den Garten, als für die Wohnung darinu (1523), musste 
wahrscheinlich zurückgelegt werden, weil die Hofkasse von 
Mantua durch eine prächtige Theatervorstellung in Anspruch 
genommen War. Auf Sangallds Plan für den hintern vaticani- 
schen Garten ist u. a. bezeichnet ein isOrt für Tannen und C-a- 
stanienß In Castello bei Florenz wird als Abschluss des Frucht- 
gartens ein Tannendickicht angelegt, welches die Wohnungen der 
Arbeiter und Gärtner maskirt, in der Mitte des Hauptgartens 
aber ein Dickicht (salvatico) von hohen Cypressen, Lorbeern 
und Strauchwerk, mit Labyrinth und Fontainen in der Mitte, 
anderswo ein drittes Dickicht von Cypressen, Tannen, Lorbeern 
und Steineichen mit einem Becken in der Mitte. 1 (In Villa 
Madama führte eine besondere Pforte in ein solches salvatico; 
sie war flankirt von zwei Giganten Bandinellfs.) 2  Die. grossen 
Eichenmassen aber lassen noch einige Zeit auf sich warten.  
Castello a. a. O. beschrieben nicht sowohl wie es war und ist, 
sondern wie es Tribolo entwarf. (Seit 1540?) Ausser den Was- 
serwerken (s. unten) auch Scherze in der Gartenanlage selbst, 
z. B. mehrere Labyrinthe. Eines wurde "damals auch zu Oareggi 
in einem runden Hof angelegt. 3 Die Idee gewiss uralt und in 
Schloss- und Kloster-gärten von jeher bekannt. 
Gärten 
g.128. 
von Venedig. 
In Venedig, wo Enge und Meerluft die Anlage grosser Pilan- 
Zungen verbot, Brunnen nur durch Pumpen möglich waren, und 
Treppen wegen Einheit des Niveau's nicht verkennen, entschädigte 
man sich durch Zierlichkeit und durch Zuthat von Malereien 
und Sculpturen. Der Sinn gereister Kaufleute blieb auch dem 
botanischen Sammeln hieijlänger treu. Vgl. Sansovino Venezia, 
fol. 137, wo alle wichtigem Gärten aufgezählt sind, auch solche 
mit Brunnen.  Der Garten Tizianls in allgemeinen Ausdrücken 
1 Vasari X, p. 258, ss., v. di Tribolo.  
dinelli.  3 Vasan XI, p. 60, v. di Puntormo. 
Kugler, Gesch. d. Baukunst. IV. 
Vasari X, 
302, 
14 
di Ban-
        

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