Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1308291
KaP- 
XIII. 
Stadtanlagen. 
Correetionen und neue 
187 
innert hatten. Auch für Plätze zweiten Ranges und für Markte 
wurde eine schöne und regelmassige Ausstattung wenigstens er- 
strebt. Das Vermiethen der Locale hinter den Hallen galt auch 
für den Staat. wenn er Eigenthümer war, nicht als etwas Un- 
ehrenhaftes.  
In Venedig hatte der Marcusplatz um 1490 gegenüber den 
alten Procurazien ein ähnliches Hallengebäude und in beiden 
waren die Erdgeschosse als Buden vermiethet. An der Piazzetta 
ging. dem Ilogenpalast gegenüber, ebenfalls eine Halle hin. 
welche das Erdgeschoss von Buden und Gasthöfen bildete. 
Schwerer zu entschuldigen ist, dass auch die obere Ilalle des 
Dogenpalastes dem Kram überlassen warß Selbst um die bei- 
den Saulen herum hatten sich Buden und Aergeres angenistet; 
erst 1ö29 wurde diess Alles entfernt und der Blick gegen das 
Wasser frei gemacht? Das Project eines prachtvollen Hallen- 
platzes als Centrum des grossen, systematisch neu anzulegenden 
Handelsquartiers am Rialto, Vasari IX, 162, ss.. v. di Fra Gio- 
condo; statt seines Planes später die einfachern Bauten des 
Scarpagnino und Sansovino.  Wie sehr die Piazza als Ver- 
kaufsort aufgefasst wird, zeigt Savonarola, bei Murat. XXIV. 
Col. 1179, welcher die Plätze von Padua nach der Zahl ihrer 
Buden classificirt. 
In Florenz gestaltete sich der Annunziatenplatz erst im 
Laufe der Zeit symmetrisch, indem zu Brunellescds Halle der" 
Innocenti ein Gegenstück durch Antonio da Sangallo d.  er- 
baut wurde; die äussere Vorhalle der Kirche selbst, welche die 
Ilanptfronte des Platzes bildet, ist erst seit 1600 hinzugefügt. 
Breite der einmündenden Strassen nöthigte hier zur Errichtung 
von lauter einzelnen Hallen. Anders mag Michelangelo gedacht 
haben, als er Cosimo I. anrieth, das riesige Motiv der Loggia 
de, Lanzi um den ganzen Signorenlalatz herumzuführen. 3 Man 
hätte dadurch alle Strassenzugiinge ebenfalls überwölbt. 
Die Anlage eines Platzes zu Gunsten des Anblickes eines 
Gebäudes wurde in Florenz wenigstens frühe erstrebt; Vasari 
III, p. 237. y. di Brunellesco, welcher zwischen dem Chor von 
 Spirito und dem Arno einen Platz verlangte. (Aehnliches 
vgl. bei Milanesi II, p. 225. für eine Capelle zu Siena 1444.) 
Der Florentinei- Alberti nimmt (L, VIII, c. 6) das Recept zu 
seinem Forum aus Vitruv und verlangt für dessen Eingänge 
Triumphbogen. (Ueber die von-Nicolaus V. 1451 schön um- 
gebaute Piazza von Fabriano, vitae Papar. bei Murat. III, II. 
Col. 929d 
1 Sabellicus, de situ venetae urbis, fol. 89, s.  
v. di Jac. Sansovino;  Sansovino, Venezia, fol. 116. 
Nota, v. (li Orcagna. 
Vasari XIII, p. 83, 
 3 WIasari II, 130,
        

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