Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307324
90 
I. Buch. 
Renaissance in Italien. 
Architektur. 
nung von vier gleichen Kreuzarmen, welche mit der Zeit die 
vorherrschende wurdle, fiel auch jedes Bedenken weg in Betreff 
des Hochaltars, dem man auf diese Weise einen verschliessbaren, 
besonders geweihten Raum ersten Ranges, den hintern Kreuzarm, 
geben konnte. In der Mitte des Baues wollte man ihn nämlich 
niemals anbringen und eine Stelle innerhalb eines blossen Um- 
ganges von Hallen u. dgl. War nicht ehrenvoll genug. Bei acht- 
eckigen Kirchen widmete man ihm daher einen besondern Ausbau, 
opferte aber die Einheit des Planes, die man beim griechischen 
Kreuz retten konnte. 
Mit dem Centralbau ist das Wölben wesentlich und unver- 
meidlich verbunden. Alle runden undi polygonen Räume ver- 
la.ngen einen obern Abschluss, der ihrem Grundplan analog ist. 
Die oft überaus zusammengesetzten Centralbauten enthalten bis- 
weilen alle möglichen ächten und gemischten Wölbungsarten, 
Welche in der Hauptkuppel gleichsam ihre Herrin finden. Doch 
erhält diese erst spät den hohen lichtbringenclen Cylinder und 
im Aeussern die Calottenform. 
Diese Bauweise in ihrer Vollkommenheitiverwirklicht alle 
Ideale der Renaissance: absolute Einheit und Symmetrie, vollen- 
det schöne Gliederung und Steigerung des Raumes, harmonische 
Durchbildung im Innern und Aeussern ohne müssige Fagaden und 
die herrlichste Anordnung des Lichtes. 
Wir nehmen bei unserer Betrachtung auch solche Bauten 
mit, welche zwar den Chorbau einer Langkirche bilden, aber 
offenbar eher im Sinne von Centralanlagen und mit dem Wunsche 
darnach componirt sind. Letztere waren und blieben die höchste 
Angelegenheit dieser grossen Bauepoche, welche alle ihre Kräfte 
dafür aufwandte, sobald sie irgend durfte. Ihre schwachen Sei- 
ten beginnen erst da, wo ihr diess hohe Ziel aus äussern Grün- 
den versagt wird. 
Die 
dgar 
ä. 63. 
Centralbauten 
frühesten 
Renaissance. 
Die Phantasie des XV. Jahrhunderts War schon mit Rund- 
und Polygonbauten erfüllt, als Brunellesco an zwei nur unterge- 
ordneten Kirchen den Centralbau in ganz neue Motive kleideteß 
Brunellescds nur angefangenes Polygon bei den Angeli in Flo- 
renz, ä. 9. 2 AohtseitigerKuppelraum mit ebenso vielen hochge- 
öffneten Capellen, wovon sechs der Verehrung der zwölf Apostel 
1 Bauten dieser Art auf Hintergründen der Altargemälde und Reliefs; 
Vasari III, p. 117, V. di Ghiberti; IV. p. 147, v. di Castagno. Dann beson- 
ders in peruginischen Bildern, in Intarsien, an Chorstühlen (ä. 151) etc.  
2 Die Abbildung bei dügincourt, Archit, T. 50. Vasari III, p. 229, s, 242, 
v. di Brunellesco;  vita. anonima, p. 187.
        

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