Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307305
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Buch. 
Renaissance in Italien. 
Architektur. 
für das Vollkommenste hält, braucht sie dann aber ohne Be- 
denken auch im Profanbau.  
Es ist ein Aberglaube, dass ein eigener sacraler Baustyl 
(den ja auch die rohen Urvölker haben) einem Volke oder seiner 
Culturepoche eine grössere Ehre bringe, als ein abgeleiteter Styl. 
Natürlich kannt letzterer die Scheidung ZWlSClIGII sacralen und 
profanen Formen nicht mehr durchführen, ja die altchristliche 
Baukunst hatte ausser den Formen sogar die Baustücke von den 
heidnischen Bauten entlehnt. Der abgeleitete Styl aber als 
Raumstyl (ä. 80, 32) hat ein Recht auf die Formen der vor 
ihm dagewesenen organischen Style und soll-sie nach seinem in- 
nern Bedürfnisse aufbrauchen, wobei ihn sein Genius führen 
wird. Die Renaissance hat gar keine speciüsch-kirchlichen For- 
men. Selbst die wenigen Fenster- und Thürformen, die sie An- 
fangs dafür hielt, ja den Giebel (Palladio) nahm der Palastbau 
mit der Zeit dem Kirchenbau ab. Alles kam auf den Geist an, 
welcher sich der Formen bediente.  
Sehr bedenklich aber ist es, sich auf die geringere Reli- 
giosität des damaligen Italiens im Vergleich mit der gothischen 
Blüthezeit des Nordens zu berufen, ganz als ob man Religiosität 
und kirchliche Iiechtgläubigkeit unserer nordischen Baumeister 
des XIII. und XIV. Jahrhunderts genau messen könnte. Auf der 
andern Seite haben auch die sehr frommen Italiener der Renais- 
sance nicht heiliger gebaut, als ihre Zeit- und Kunstgenossen. 
(Vgl. ä. 215, 264.)  
Im Süden ist das Grosse und Schöne von selber heilig. 
Jeder mag entscheiden, ob dabei der Begriff des Heiligen niedrig 
oder der der Kunst hoch genommen sei. (Vgl. das Wort Michel- 
angelois in der Relation des Francesco d'0landa 1549. bei Rac- 
zynski, les arts en Portugal p. 14: ndie wahre Malerei ist edel 
und fromm von selbst, denn schon das Ringen nach Vollkommen- 
heit erhebt die Seele zur Andacht, indem es sich Gott nähert 
und vereinigte,  im Sinne des Sprechenden gewiss für die 
Kunst überhaupt geltend.) Wenn aber irgend etwas die religiöse 
Unsicherheit unserer Zeit beweist, so ist es die ungemeine Em- 
piindlichkeit gegen angeblich nicht heilige Formen. Der Fana- 
tismus der jetzigen französischen Kirchenbauer für das treizieme 
siecle lässt auf eine innere religiöse Schwäche der Partei schlies- 
sen, gerade wie anderswo die um sich greifende gewaltsame Ver- 
einfachung der Kirchenmusik. 
ä. 62. 
des Centralbaues. 
Wesen 
Wohl 
wesentlich 
aber hat die Renaissance die höchste, allem Gothischen 
büberlegene kirchliche Bauform, den Centralbau, bis
        

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