Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307278
Kap 
VIII. 
Das Baumodell. 
82 
in Stücken schlug, als Cosimo aus Furcht vor dem Bürgerneid 
von dem Bau abstand); endlich grosse Entwürfe in Thon und 
Holz für Festungsbauten. 1 Für die Halle bei den Innocenti 
machte er laut der vita anonima kein Modell; dasjenige, welches 
Vasari sah. mochte die Arbeit eines Spiitern sein. 
Seine Modelle gaben alles Wesentliche aber keine Zierfor- 
men an, wdainit ihm Unberufene dieselben nicht vorweg nahmens, 
eher wohl. um nicht durch die Niedlichkeit, die man solchen Ar- 
beiten geben kann, die Augen zu bestechen. So dachte wenig- 
stens Alberti, 2 welcher Jedermann vor Modellen warnt, welche 
mit Malerei, Flittergoltl und andern Zierlichkeiten aufgeputzt 
seien, eine Sache eitler ehrgeiziger Ignoranten, welche auf andere 
Ignoranten rechneten; nur nmodelli nudi e sempliciu gäben den 
Beweis von dem Genius des Erfinders. Auch bei blossen Zeich- 
nungen verbittet er sich alles Malen und sogar das Schattiren, 
indem sich der Architekt durch den Grundplan auszuweisen habe. 
 Wenn hiemit Unwürdige abgewiesen werden sollten, so gab 
es doch "auch solche Decoratoren, welche grosse, wenigstens ge- 
achtete Baumeister wurden und dann ihre Modellfertigkeit nach 
Kräften verwandten.  
Giuliano Sangallds Modelle für die Villa Poggio -a Cajano, 
für ein Prachtschloss des Kronprinzen von Neapel, für einen Pa- 
last des "Lodovico Moro, für den Anbau von S. Pietro in Vin- 
coli zu Rom und für einen Palast in Savona. Letzteres in reich 
ornanientirter Ausarbeitung musste er in Person nach Lyon zu 
Carl VIII. bringen, dem es der Besteller (Cardinal Giuliano 
della Rovere, später Julius II.) geschenkt hatte; auch nach Ne- 
apel und Mailand. hatte er jene Modelle selber begleitet.  An- 
tonio Sangallds des älteren Modelle für die hladonnenkirchen 
in Cortona (Iiicht ausgeführt) und in Montepulciano, bei Vasari. 3 
 Vecchietta nahm 1460 ein hölzernes Modell für die Loggia 
del Papa von Siena nach Rom mit, erhielt aber dieBestellung 
nicht. 4  lilrancione, vlignariusu, aber Architekt und Lehrer des 
Baccio Pintelli, lieferte beim Concurs von 1491 für eine neue 
Domfagade in Florenz  70), wo alle 45 andern nur Zeichnun- 
gen brachten, ein. Modell; ebenso für die Kuppel der Sacristei 
bei S. Spirito 1493, welche jedoch einfiel, als man die Bau- 
stützen wegnahm. 5  Ein Kirchenmodell Pintellfs, bei Vasari. 6 
 Für die Domkuppel in Mailand  23) lieferten um 1490 
viele "Meister Modelle ein 7 und auch Francesco di Giorgio wird 
kaum ohne ein solches aufgetreten sein. Er hatte bereits 1484 
1 Yita. anonima, p. 183, 202, 204. Vasari III, p. 224, 225, 229, v. (Ii 
Brunellesco.  2 Arteedificatoria, L. II, opere volgari IV, p. 261.  3 VII, 
p. 209, ss., v. di Giuliano Sangallo.  4 Milanesi II, p.. 308.  5 Gaye, car- 
teggio I, p. 276; Vasari VIII, p. 121, Nota, v. di Cronaca.  G IV, p. 136, 
v. di Paolo Romano,  7 Milanesi II, p. 430.
        

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