Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305898
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1307242
82 
Buch. 
Renaissance in Italien. 
Architektur. 
nach einem geheimen Gesetz, dem der Verhältnisse  30, 33, 38). 
Dieselben sind von allen, auch den römischen Vorbildern unab- 
hängig und ein Wesentlicher Besitz des modernen Weltalters, 
welches nie mehr ungestraft sich demselben entziehen wird. 
Auf rein mathematischem Wege kann man nie zu durchgrei- 
fenden Regeln gelangen, weil ausser den Proportionen auch die 
stärkere oder schwächere Plastik der Formen die Wirkung ent- 
scheiden hilft, so dass bei denselben Verhältnissen ein Bau 
schlanker oder schwerer erscheinen kann. Es wäre zu wünschen, 
dass ein Wort existirte, welches ausdrücklich die Verhältnisse 
(worunter man gewöhnlich lfloss Höhe, Breite und Tiefe versteht) 
und die Plastik zugleich umfasste. L. B. Alberti braucht bei 
Anlass seiner Facade an S. Francesco zu Rimini für die geheim- 
nissvolle Harmonie der Theile zum Ganzen bereits das Wort 
iituttat quella musicau. 1 Die musicalischen Proportionen (ä. 26) 
auch bei dem Biographen Brunellescos Verhältnissangaben für 
bestimmte einzelne Fälle theilt z. B. Serlio häufig mit, lasst sich 
aber" auf keine principiellen Erörterungen ein. 
Schon damals fehlte es nicht an Leuten, welche der Sache 
auf speculativem Wege beizukommen suchten. Dem Jac. Sanso- 
vino corrigirte 1534 ein Mönch Francesco Giorgi die Proportionen 
seiner Kirche S. Francesco della Vigna zu Venedig nach einer 
platonischen Zahlentheorie, wovon ein kleines Muster bei Vasari? 
Die Anwendung der antiken Ordnungen hat vielleicht an keinem 
einzigen Renaissancebau über die Verhältnisse entschieden. Der 
Bogenbau war von vorne herein an nichts gebunden und die 
Wandpilasterordnung hatte schon bei den Römern völlige Frei- 
heit der Intervalle. Dazu die Sockel und Attiken nach Gutbe- 
ünden. Die Verhältnisse in ihrer Beziehung zu den Formen und 
diese zu jenen bleiben daher Sache des höchsten und feinsten 
künstlerischen Vermögens. Wer sie nicht wenigstens nachfühlen 
kann, der wende sich vom Styl der Renaissance ab und suche 
sein Ergötzen anderswo.  
etC- 1 
1 Lettera sulla cupola 
Nota v. di Jac. Sansovino. 
opere 
volgari, 
Tom. 
XIII , 
85
        

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