Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302397
Kapitel. 
Formenbehandlung 
Die 
der Frührenaissance. 
73 
verlangt das Wölben für die Kirchen 
auch für die Erdgeschosse der Paläste. 
sphaerica, seil. testudo (Kuppel); er 
Wegen der dignitas und Dauer, und 
Die 
Gewölh 
der 
Frührexlaissance. 
Das Erste und Bezeiclmendste ist derWiderwille der Renaissance 
gegen das Kreuzgewölbe, dessen wesentlichstei-Vortheil jetzt allerdings 
wegfiel, da-oblonge Räume, für deren harmonische Bedeckung es so 
wesentlich ist, entweder nicht mehr gebildet oder mit andern Gewölben 
bedeckt wurden. 
Das Gothische des Nordens hatte seine eigenthümlichste Schönheit 
in oblongen Baum-Eintheilungen entwickelt. Vielleicht ist das oblonge 
Kreuzgewölbe an sich schöner als das quadratische. 
Nun braucht man das Kreuzgewölbe fortwährend, aber verhehlt. Der 
einzige Florentiner, der es in seinen meisten. Kirchen offen anwendet, 
Baccio Pintelli (ä. 76,  geräth damit in Nachtheil gegen die Gothik, 
schon weil er das kräftig sprechende Gurtwerk entbehrt. 
Der letzte, welcher mit Gurtwerk und mit oblongen quer über ein 
Kirchenschiff laufenden Kreuzgewölben eine leichte und edle Wirkung 
erzielt, ist Dolcebuono, in Monastero maggiore zu Mailand, um 1500, vgl. 
ä. 23, 76. 
Echte Kreuzgewölbe derselben Zeit  auch noch in Appartamento 
Borgia, Vatican. 
Der eigentliche Lebensausdruck des gothischen Gewölbes waren 
die aus den Pfeilern emporsteigenden Gurte und Rippen, zwischen 
Welchen die Kappen nur als leichte Füllungen eingespannt wurden. 
Für die Renaissance dagegen, welche über den Stützen ein antikes 
Gebälk herrschen lässt und überhaupt alle schwebenden Theile durch 
starke Horizontalen von ihren Trägern trennt, ist das Gewölbe eine 
deckende Masse. Der strengere Detail-Ausdruck derselben ist die 
römische Cassettc; den reichern Ausdruck übernimmt eine rasch und 
hoch entwickelte decorative Kunst  171). 
Letztere ist eine besondere Todfeindin des Kreuzgewölbes in seiner 
strengem Form; dagegen kann sie sich in das verhehlte, in der Mitte 
zur sphärischen Fläche ausgebildete, sehr gut Schicken- 
Die Cassetten jeder Art, auch die sich concentrisch verjüngenden, 
rechnete Alberti (1. c. L. VII, c. 11) auf dem Papier aus, selbst für sechs- 
seitige und aClItSeitige Räume, und ermittelte deren Ausführung in Ziegeln 
und Stucco.  Vgl. ä. 173.
        

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