Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302300
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Erstes Buch. Architectur. 
An und für sich war manche Incrustation so 
solide Vergoldung, und das Verbot der letztem hatte 
den Neid gegen Venedig nicht zu steigern. 
theuer als eine ganz 
wohl nur den Zweck, 
Verhältniss 
der Incrustation 
ZU 
den Formen. 
Die Incrustation neigt sich unvermeidlich dem Decorativen zu 
auf Kosten des Architectonischen. Der Styl der Frührenaissance in 
Venedig verdient sogar kaum noch den Namen eines Baustyles. 
Es fehlte an eigentlichen Architecten, oder wenn sie vorhanden waren, 
so konnten sie nicht aufkommen. Auch bei der höchsten Stoffpracht 
hätte man edler uud kräftiger componiren können. Die Architecturen 
auf den Bildern Mantegnzfs und seiner Schule, auch auf den Legenden- 
bildchen Pisanellds in der Sacristei von S. Francesco zu Perugia stellen 
öfter Incrustationsbauten dar, wie sie Venedig nicht hat.  Die richtige 
Anwendung der lncrustation an der Certosa bei Pavia,  71. 
Alles geht aus von der schönen, polirten Erscheinung der ein- 
zelnen Platte von Marmor irgend einer Farbe, von Porphyr, Serpentin etc. 
Sie werden symmetrisch gruppirt und mit Streifen contrastirender 
Farben umgeben. Der Pilaster als Ordnung fande hier keine Gunst; 
er dient nur als Abschluss der verzierten Massen, als Ecke, und wenn 
man die horizontalen Gesimse und Sockel dazurechnet, als Einrahmimg. 
Die prachtvollen Arabesken, womit man ihn häufig anfüllt, sind dess- 
halb auch oft identisch mit denjenigen der Friese, das verticale Zier- 
motiv mit dem horizontalen. Immer erhält der Pilaster ein eigenes 
Rahmenproiil und oft in seiner Mitte eine runde Scheibe aus irgend 
einem farbigen Steine, deren Stelle auch Wohl ein Relief einnimmt. 
Der Ruhm der Gebäude hängt mehr von diesen Arabesken ab als 
von dem baulichen Gehalt; ihre Urheber werden gerne genannt, z. B. 
Sansovino, Venezia, fol. 86 bei Anlass der Pforte von S. Michele, deren 
Zierrathen von Ambrogio da Urbino herrührten. 
Als Tullio Lombardo seine Friese (für welchen Bau wird nicht ge- 
sagt) in Treviso vollendet hatte, wurden sie im Triumph durch die Stadt 
geführt; Pompon. Gauricus de sculptura, bei Jac. Gronov. thesaur. graecc. 
antiqq. Tom. IX, Col. 773. 
Der Styl dieser Arabesken ist von der Decoration höchsten Ranges 
entlehnt. Oft geht unter dem Fries noch ein zweites, ebenfalls verziertes 
Band hin.
        

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