Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301989
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Erstes 
Buch. 
Architectur. 
gewichen; es bedurfte dazu einer ausserordentlichen Stadt und eines ge- 
waltigen Menschen, welche das Neue thatsächlich einführten. 
Zu Florenz, in einer Zeit hohen Gedeihens, wird zuerst das Ge- 
fühl lebendig, dass die grosse Kunst des XIII. und XIV. Jahrh. ihre 
Lebenskräfte aufgebraucht habe und dass etwas Neues kommen musste. 
Florenz am Anfang d. XV. Jahrh., Macchiavelli, storie fiorenL, Ein- 
gang d. IV. Buches;  Poggiud, Hist. flor. populi, L. V, ad a. 1422. 
Jenes Gefühl sehr deutlich 1435 ausgesprochen bei Leon Battista 
Alberti (geb. 1404) in der Schrift della pittura, opere volgari, ed.Bonucci, 
vol. IV.; es sei ihm früher vorgekommen, aals 0b die Natur alt und müde 
geworden wäre und keine grossen Geister wie keine Riesen mehr l1erv0r- 
bringen möchtee; jetzt aus langer Verbannung nach Florenz zurückgekehrt, 
ist er froh erstaunt, in Brunellesco, dem er diese Schrift widmet, in Dona- 
tello, Ghiberti, Luca della Robbia, Masaccio eine neue Kraft zu finden, 
die den erlauchtesten alten Meistern nichts nachgebe.  (Um 1460, als 
der Styl der Renaissance das Gothischc bereits aus seinen letzten Zu- 
fluchtsorten vertrieb, durfte Filarete sagen: wenn unser Styl nicht schöner 
und zweckmässiger wäre, so würde man ihn in Florenz nicht brauchen, 
a Firenze non s'usaria.)  
Die neue Kunst tritt gleich auf mit dem Bewusstsein, dass sie 
mit der Tradition breche und dass ausser der Freiheit die höchste An- 
spannung aller Kräfte, aber auch der höchste Ruhm ihre Bestimmung sei. 
Alberti fährt an obiger Stelle fort: sich sehe nun auch, dass alles 
Grosse nicht bloss Gabe der Natur und der Zeiten ist, sondern von unserm 
Streben, unserer Unermüdlichkeit abhängt. Die Alten hatten es leichter, 
gross zu werden, da eine Schultradition sie erzog zu jenen höchsten 
Künsten, die uns jetzt so grosse Mühe kosten, aber um so viel grösser 
soll auch unser Name werden, da wir ohne Lehrer, ohne Vorbild Künste 
und Wissenschaften finden, von denen man früher nichts gehört noch 
 gesehen hatteß  Ueber die Vielseitigkeit s. ä. 14. 
Die Entscheidung zu Gunsten des Neuen konnte nur kommen 
durch eine grosse That eines ausserordentlichen Mannes, welcher mit 
dieser That auch für sein und seiner Genossen sonstiges Streben die 
Bahn öffnete. 
Filippo Brunellesco von Florenz (1377 bis 1446) und die Domkuppel, 
seine von Jugend auf erkannte Aufgabe (ä. 2). Mit dieser wesentlich 
constructiven Leistung und mit seiner sonstigen Meisterschaft in aller 
Mechanik siegt zugleich die grosse formale, stylistische Neuerung, zu welcher 
ihn die vor 1407 in Rom begonnenen Studien befähigten. Dazu noch 
sein Ruhm als Bildhauer und Decorator. 
        

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