Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301946
Der 
ä. 22. 
Hass gegen 
spätere 
Gothische. 
das 
Das spätere Bewusstsein der Italiener von dieser ihrer gothischen 
Bauperiode wurde von allen Seiten verwirrt und getrübt und die 
mangelhafte historische Kenntniss des Wahren Herganges verband sich 
mit den stärksten Vorurtheilen. 
Noch Aeneas Sylvius spricht 1444 bewundernd von der Baukunst in 
Deutschland (Aeneas Sylvii opera, ed. Basil. 1551, p. 740, vgl. p. 718; 
ein Brief des Fra Ambrogio über den Palast von Ofen, p. 830), und 
rühmt das saubere und neue Ansehen der deutschen Städte (Apol. ad 
Martinum Mayer, p. 696). Das deutsche Element an der Kirche von 
Pienza, 5. 77. 
Sonst War es der Renaissance ein lästiger Gedanke, dass dieser Styl 
aus Deutschland gekommen sei, sie kehrte daher an den gothischen Bauten 
der eigenen Landsleute immer die Seiten hervor, welche sich der agutene 
nämlich der antiken Architectur genähert hätten. Vgl. Vasari II, p. 16, 
v. di Stefano, u. a. a. O. 
Am Bau und an der Ausschmückung des Domes von Orvieto (Della 
Valle, storia del duomo di Orv. p. 118, ss., Documm. 54, 55, 59, 61) 
waren noch zu Anfang des XV. Jahrh. eine Anzahl Deutscher beschäftigt, 
und es ergingen noch Briefe durch das ganze Abendland, dass treffliche 
Künstler sich hier für Arbeit melden könnten. Nach dem Siege des neuen 
Styles dagegen heisst es 1446 (Doc. 70, 71) bei der Anstellung eines 
Franzosen bereits: ves fehle an Inländern nichts, und ein zu Ausbesse- 
rungen verurtheilter Glasmaler, Gasparre da Volterra, appellirt schon nur 
noch ad quemcunque magistrum ytalicum expertum in dicta arte.  Ein" 
Deutscher in der zweiten Generation Wie Vito di Marco T edesco, Mila- 
nesi II, p. 271, 429, mochte schon als Italiener gelten. 
Um 1460 in Filarete's Baulehre die feierliche Verwünschung: wer- 
flucht der diese Pfuscherei (praticuccia) erfand! ich glaube, nur Barbaren- 
volk konnte sie nach Italien bringene. Gaye, carteggio I, p.'204.  
S. jedoch unten ä. 44.  
Umständliche Erörterungen, auf sehr wunderliche Ansichten gebaut, 
doch noch immer unter der Voraussetzung dass man es mit einem deut- 
sehen Styl zu thun habe, finden sich in der vita anonima di Brunellesco, 
ed_ Moreni, p, 159, ss. und in dem berühmten Briefe (angeblich) von 
Gastiglione oder Rafael an Leo X., 1514 oder 1515. Abgedruckt u. a. 
bei Quatremere, storia di Raffaello, trad. Longhena, p. 531, ss.) In Mai- 
land, wo der Dom notorisch von einenl Deutschen erbaut war und ein 
beständiger Verkehr deutscher Meister Statt fand, bekam der vAnonymus 
des Morellie die in ä. 23 zu erwähnenden Notizen; ein feiner Kenner,
        

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