Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301889
Miniato 
San 
g. 17. 
und das 
Baptisterium. 
Für die Florentinei", welche sich hätten der allgemeinen romani- 
schen Formenwelt anschliessen können, war es Sache eines sehr be- 
wussten, von einem geschichtlichen Vorurtheil getragenen Entschlusses, 
als sie sich den altrömischen Formen zuwandten. 
alten Rom 
Sie glaubten sich als ehemalige stets getreue Colonie dem alten Rom 
besonders verpflichtet. Vgl. Cultur d. Renaiss. S. 327. 
Die betreffenden Denkmäler sind: 
Die Säulenstellungen und Bogen in S. Apostoli (gegen 1200); 
Die Fassade der Badia bei Fiesole; 
 Die Kirche S. Miniato (1207), wo die Form der Basilica eine letzte 
und höchste Weihe erhält durch melodische Raumeintheilung und Pro- 
portionen; die mit Mass angewandten antiken Einzelformen geben sich 
wie von selbst zur Ausdeutung dieses schönen Baues 11er. 
 Ihre Cathedrale bauten sis um 1150 
strüCtiV unabhängig vom Pantheon zu Rom 
Centralbau (ä. 62, f.) zu ihrem Ideal. 
formell abhängig , c0n-. 
und erklärten damit den 
Es ist das jetzige Baptisterium S. Giovanni, ein Achteck Welches mit 
seinem innern Durchmesser von 78 (n. a. 84) Fuss alle Kuppelbauten 
der nächstvorhergegangenen Jahrhunderte weit hinter sich lässt, und auch 
von seinem Vorbild wesentlich abweicht; im Pantheon ruht eine halb- 
sphärische Kuppel auf einer enorm dicken Stockmauer mit gefahrlosen 
Nischen; im Baptisterium eine stark zugespitzte Kuppel auf einer viel 
mässigern und überdies durch untere und obere Galerien verringerten 
Mauermasse. Diese Galerien sind wesentlich nur für das Auge da, ein 
Zugeständniss an den schönen Schein, wie es sonst nur der spätantike 
und der moderne Styl kennen. (Die Triforien nordisch-gothischer Kirchen 
haben ihre practische Bedeutung.) 
Später, als man das wahre Datum dieser Bauten vergessen hatte und 
doch das Weiterleben der antiken Formen daran bemerkte, bildete sich 
die Ansicht: das Baptisteriurn sei ein antiker Tempel (Vasari I, p. 206, ss. 
Proemio;  ib. p. 282, v. di Tafi) und sogar einst oben offen gewesen 
wie das Pantheon (Gio. Villani I, 60); S. Apostoli habe Carl der Grosse, 
der mythische Neugründer von Florenz erbaut; S. Miniato sei von 1013. 
Die Vita anonima di Brunellesco, ed. Moreni, p. 160 meint: als Carl Italien 
reinigte von den Langobarden und von den Collegien (d. h. wohl den 
Zünften lombardischer Maurer) und sich mit den Päpsten und dem Rest 
römischer Republik ins Einvernehmen setzte, habe er Architecten von 
Rom mitgebracht, welche zwar keine grossen Meister aber an den antiken
        

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