Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301879
Kapitel. 
III. 
und 
Die Protorenaissance 
das 
Gothische. 
21 
Oberitalien schliesst sich dem mitteleuropäischen romanischen Styl 
an; Venedig und Unteritalien beharren wesentlich auf dem byzantinischen. 
Vereinzelte Nachahmungen antiker Gebäude kommen hie und da vor; 
S. Fedele in Como z. B. wäre nicht denkbar ohne S. Lorenzo in Mai- 
land (ä. 62). 
In Rom und in Toscana dagegen zeigen sich denkwürdige frühe 
Versuche zur Wiedererweckung der Bauformen des alten Rom, nur 
immer mit derjenigen Selbständigkeit, welche dem modernen italieni- 
schen Geiste dann bei seinem Bnndniss mit dem Alterthum stets eigen 
geblieben 
ist. 
Das Wort rinascita 'vielleicht zum erstenmal bei Vasari (III, p. 10) 
im Proemio des zweiten Theiles, und zwar in einem chronologisch schwer 
zu bestimmenden Sinne und zufällig nur bei Anlass der Sculptur; doch 
ist ohne Zweifel die grosse Kunstbewegung seit dem XII. Jahrh. im All- 
gemeinen darunter verstanden. 
Der Ausdruck ist seither über alle Gebiete des Lebens ausgedehnt 
worden, bleibt aber in sich einseitig, weil er nur die eine Hälfte der 
Thatsache betont. Die freie Originalität, womit das wiedergewonnene 
Alterthum aufgenommen und verarbeitet wird, die Fülle ganz eigenthüm- 
liehen modernen Geistes, welche bei der grossen Bewegung sich mit 
offenbart, kommen dabei nicht zu ihrem Rechte. 
Rom und 'I'0scana bleiben zunächst der altchristlichen flachgedeckten 
Säulenkirche, der Basilica, treu; sie vernutzen viel mehr antike Bautheile 
oder müssen dieselben, wo sie fehlen, genauer nachbilden. So stirbt be- 
sonders die Begeisterung für die Säule nie aus; die Fassaden der toscani- 
schen Kirchen bedecken sich mit mehrern Säulenreihen über einander 
oder mit deren Nachahmung als Blindgalerien von Halbsäulen. Am Thurm 
von Pisa die schönste Verklärung, deren seine cylindrische Form fähig 
war: 6 lichte Säulenhallen über einander. 
Die römischen Basiliken des XII. Jahrh. nehmen statt des Bogens 
wieder das gerade Gebälke an; andere Bauten und kleinere Zier- 
arbeiten zeigen eine wahre Renaissance bis ins Einzelnste. 
Die Kirchen: S. Maria in Trastevere, S. Crisogonß, das neue Lang" 
haus von S. Lorenzo fuori. 
An den Bauten der Gosmaten um 1200: den Klosterhöfen beim La- 
teran und bei S. Paul und der Vorhalle des Domes von Civita castellana 
das Detail theilweise ganz getreu nach dem Alterthunl, anderes stark ab- 
weichend. Der Hof von S. Paul der anmuthigste Zusammenhang von 
Strenge und Phantastik.
        

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