Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305594
Kapitel. 
Decorationen 
Augenblickes. 
des 
393 
richtige Lage zur Bühne, als auch ihre möglichst zweckmässige Einrich- 
tung zum Sehen und Hören. Welches dabei das specielle Verdienst des 
Lionardo gewesen, der bei Giovio deliciarum theatralium mirificus inventor 
heisst, ist nicht mehr auszumitteln.  
193. 
Die 
Scena. 
Nachdem früher die Scena. auch bei Mysterien nur eine allgemeine 
decorative Ausstattung gehabt hatte, begann mit dem XVI. Jahr- 
hundert eine bestimmte Bezeichnung der Oertlichkeiten, theils mehr 
in idealisirendem Sinn, theilsymehr wirklichkeitsgemäss.  
Theoretische und practische Darstellung der ganzen Theatereinrichtung 
um 1540 bei Serlio, im lI. Buche, fo]. 47, ss.  Ein erster Versuch, 
nebst der Scena auch den Raum der Zuschauer würdig zu gestalten, Va- 
sari XI, p. 9, s., v. di Gherardi;  vgl. XIII, p. 96, v. di Jac. Sansovino. 
Die Scena selbst muss zunächst häufig einen symmetrischen, idealen 
Bau dargestellt haben, mit Ausgängen in der Mitte und zu den Seiten, 
und n1it einer Menge von Bildern, welche zusammen einen obern Fries 
ausmachen mochten; der ganze Raum sich stark perspectivisch verengend; 
die Gesimse, Capitäle u. s. w. geschnitzt vortretend. 
So die Scenen halbgeistlicher Aufführungen Vasari XI, p. 205, v. di 
Aristotile, vvoller Säulenhallen, Nischen, Tabernakel und Statuen, wie 
man es früher bei solchen Aufführungen nicht gesehene. (Um 1532.) 
S0 der wkönigliche Saal mit zwei Nebengemächern, aus welchen die 
Recitanten hervortretenw, in der ersten bei Vasari X, p. 82 im Commentar 
zu v. di Ant. Sangallo erwähnten Scenenskizze. 
Auch die Aufführung des vKönigs Hyrcanus von Jerusalemc, in dem 
oben erwähnten Halbrund Palladids, wird eine solche Scena gehabt haben. 
In ihren einfachsten Elementen ist diese Art von Scenen Öfter in 
figurenreichen erzählenden florentinischen Breitbildern um 1500 dargestellt. 
Die andere Art von Scenen, diejenige, auf welche sich Serlio bezieht, 
enthielt verschiedene coulissenartig vertretende Gebäude (wie an einer 
nicht sehr breiten Strasse in der mittlern Axe), vdie kleinern vorn, die 
grössern weiter hintene; so dass man etwa durch die Hallen des einen 
das andere sah; nebst einem Schlussbau; ebenfalls stark ansteigend und 
sich verjüngend. Für Cornödien wählte man grössere und kleinere Häuser 
(Wirthshaus, Bordell etc.) mit obern Gängen, Erkern oder Fenstern; für 
Tragödien fürstliche Prachthallen mit Statuen, auch mit einem Triumphbogen 
in der Mitte u. s. w.; ja Serlio gibt auch noch für ein vermeintliches 
xsatyrischesd Drama eine ländliche Decoration mit Bäumen und Hütten.
        

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