Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305542
388 
Buch. 
Zweites 
Decoration. 
dessen Säulen und Pilaster lauter Rustica hatten; Sansovino, Venezia, 
fol. 154. Rubens hat später diess Motiv aufgegriffen für seine Decorationen 
in Antwerpen beim Empfang des Gardinal Infanten, allein er half sich 
mit einer glücklichen barocken Freiheit durch. 
Dass fast alle Malereien der Bogen jetzt nur noch Reliefs nachahm- 
ten, d. h. in Chiaroscuro ausgeführt waren, machte sich dann in der 
ganzen Festdecoration überhaupt geltend, auch wo farbige Darstellungen 
passend gewesen wären; z. B. Vasari XII, p. 116, v. di Taddeo Zucchero. 
Die Gewöhnung vom Fassadenmalen her mag mitgewirkt haben. 
Ausser den Bogen gab 
Prachtfassaden, Decorationen 
stehende Zierbauten. 
es zahlreiche andere Scheinarchitecturen, 
unvollendeter Kirchenfronten, endlich frei 
Die Exhibition einer grossen Menge antiker Statuen am Hause des 
Evangelista Rossi beim Possesso Leo's X. muss man sich wohl an einer 
grossen decorirten Nischenwand denken. 
Als ein Wunder von Schönheit galt dann bei Leo's Einzug in Florenz 
die Scheinfassade des Domes, mit scheinbar verwittertem Tone, von Jacopo 
Sansovino und A. del Sarto. 
Ausserdem hatte man damals einige römische Denkmäler in Florenz 
nachgeahmt: die Trajanssäule, einen Obelisken, die Meta sudans etc.,  
eine täuschende Scheinthür an der Badia, weil die wahre nicht genau 
auf der Axe der Strasse lag,  ein Rundtempel mit halbrunder Eingangs- 
halle u. s. w.  
Gandelaber, scheinbar von Marmor, wahrscheinlich colossal, kamen 
wenigstens bei Leo's Possesso vor, vielleicht zum erstenmal. 
191. 
Die 
Festsculptur. 
Auch die Sculptur warf sich jetzt mit der vollen Entschlossenheit 
ihres Modellirens auf die Decoration von Festen und rief öfter in 
weitwirkenden Colossen diejenigen Ideen in's Leben, deren Ausführung 
in dauerndem Stoffe ihr nie _0der nur selten vergönnt war. 
Beim Possesso Leo's handelt es sich, abgesehen von den Statuen der 
Triumphbogen, mehr um kleinere zierliche Brunnenfiguren: eine Venus, 
aus deren Brüsten, ein Dornauszieher, aus dessen Wunde Wasser sprang. 
Dagegen empfingen den Papst seine Landsleute in Florenz 1515 mit 
zum Theil colossalen Sculpturen, welche mit den Decorationen abwech- 
selten; ein Hercules Bandinellfs,  Braccien hoch, aber misslungen;
        

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