Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305531
IX. Kapitel. 
Decorationen 
des Augenblickes. 
387 
Holz rund gemalte Leinwand, in Gestalt von Bogen, Fassaden und andern 
Baulichkeiten: das Grün und die Teppiche mögen allenfalls passen bei 
scherzhaften Anlässen oder auch an Kirchenfesten; die lebenden, als 
Tugenden u. s. w. costürnirten Figuren sind eine magra invenzione; das 
Wünschbarste wäre freilich, etwas Dauerndes aus Stein bauen zu kön- 
nen etcß  d. h. die überhandnehmende Grandezza kann den fröhlichen 
Kirmessstyl nicht mehr vertragen. 
190. 
Der 
Triumphbogen. 
Die Triumphbogen, jetzt fast nur in Steinfarbe, schliessen sich, 
wenn nicht bestimmten römischen Mustern, doch genau der antiken 
Bildung der Einzelformen an. Eine baldige Consequenz hievon ist die 
Steinfarbe auch an den Statuen und das Chiaroscuro an den Malereien, 
Welche jetzt durchaus das Relief nachahmen. 
Die vorgesetzten Säulen mit Statuen darüber, schon beim Possesso 
Alexanders VI. erwähnt, werden jetzt zur Regel. Versilberte Säulen mit 
vergoldeten Gapitälen kommen wohl noch vor, doch herrscht schon die 
Steinfarbe. Bei Leo's X. Possesso, wo sich der frühere und der spätere 
Styl mischten, kamen noch an einzelnen Bogen lebende Figuren vor, z. B. 
sogar mitten im cassettirten Gewölbe eines Bogens, in einer sich plötzlich 
öffnenden Kugel ein Kind, Welches zwei Distichen hersagte; sonst sind 
alle Statuen von Stucco, ja an einem Bogen hatte man echte antike 
Statuen und Büsten angebracht. 
Die Bogen bei Leo's Empfang in Florenz hatten ohne Zweifel sämmt- 
lich streng architectonische Formen; auf dem Signorenplatz war ein vier- 
seitiger, vielleicht nach dem Motiv des Janusbogens, wie denn an Ver- 
schiedenheit der Combinationen gewiss das Mögliche versucht War. Einer 
schien wie aus lauter Porphyr. 
Die Bogen bei spätern Anlässen (ein sehr prächtiger bei einem floren- 
tinischen Fest 1525, Vasari XI, p. 216, v. di Aristotile) sind bisweilen so 
vherrlich und proportionirtß, d. h. in Vasarils Sinn so sehr der strengen 
Architectur genähert, dass man nur ihre Ausführung in Marmor wünschte, 
um sie unter die Wunder der Welt zählen zu können. (Cagnolzifs Sim- 
plonbogen in Mailand ist bekanntlich das marmorne Nachbild eines Fest- 
bogens, welcher das grösste Wohlgefallen erregt hatte.) Auch Serli0's 
Vorschrift und Vorbild (L. IV, p. 180) ist streng classisch. 
Das tiefste Missverständniss der Aufgabe, d. h. die weiteste Abwen- 
dung von Heiterkeit und Freiheit, zeigte sich 1556 in Venedig bei Anlasg 
der Einführung einer Dogaressa an einem Triumphbogen der Metzgergilde,
        

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