Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305513
Kapitel. 
des 
Decorationen 
Augenblickes. 
385 
Ein Fest wie dieses, wo nicht nur die pomphaftesten Altäre, sondern 
ganze Bühnen mit unbelebten Gruppen und mit lebenden, redenden, 
singenden Decorationsfiguren vorkamen, wo Brunnen mit Wein sprangen, 
wo 18 grüne Bogenpfeiler jeder einen singenden Engelknaben trugen, wo 
die Auferstehung Christi und die Himmelfahrt der Maria vollständig dra- 
matisch dargestellt wurden, war natürlich eine seltene Ausnahme. 
Die bauliche Hauptform zur Verherrlichung aller Ein- und Aufzüge 
war natürlich jetzt der römische Triumphbogen, allein, auch wenn es 
ausdrücklich heisst al rito romano etc. (z. B. bei Corio, fol. 490, zum 
Jahr 1497), keinesweges in strenger, sondern nur in flüchtiger Nach- 
ahmung. S0 war beim Possesso Papst Alexanders 1492 der grösste Bogen 
angeblich vdem Octaviansbogen beim Colosseume nachgeahmt, aber mit 
einem ganz freien prächtigen Gesimse von Füllhörnern und Guirlanden, 
mit goldfarbigen Reliefs  und der buntesten Bemalung geschmückt, und 
im Bogen hing eine Inschrifttafel. Ein zweiter Triumphbogen hatte innen 
eine vergoldete Cassettirung mit einem mittlern Zierrath in Muschelform; 
in 12 Nischen standen lebendige singende Mädchen, welche Oriens, Occi- 
dens, Liberalitas, Roma, Justitia, Pudicitia, Florentia, Caritas, Aeternitas, 
Victoria, Europa und Religio vorstellten. Einfachere Bögen, mit Trophäen, 
Meerwundern u. s. W. hatten meist Blau mit Gold. Ein blaues Schatten- 
tuch mit goldgelber, reichumschnörkelter Inschrift wurde besonders ge- 
rühmt. 
Bei einem Einzug Julius II. wurde sogar ein echter antiker Triumph- 
bogen, der des Domitian auf dem Marsfeld, mit Statuen und Malereien 
verziert; Albertini, de mirabilibus urbis Romae, L. II, fol. 78. 
Bei einem Feste des Lodovico Moro scheint das Modell Lionardds 
zur Reiterstatue des Francesco Sforza unter einem Triumphbogen ge- 
standen zu haben. 
Im ganzen Abendland, besonders aber in Italien, wurden im 
XV. Jahrhundert die Teppiche für die Verherrlichung der Feste ge- 
braucht, und zwar ohne besondere Rücksicht auf die Zusammengehörig- 
keit und den Inhalt ihrer Darstellungen. 
Für jenes Fronleichnamsfest hatten die Cardinäle ihr ganzes, zum 
Theil berühmtes Teppichzeug nach Viterbo kommen lassen. 
Für den Empfang der Lionora beim Gard. Riario (vgl. ä. 95) mussten 
offenbar die Sacristeien das Allerwerthvollste hergeben, z. B. den Teppich 
Nicolaus V. mit den Geschichten der Weltschöpfung, il piu bello ehe sia 
traf Cristiani; sodann noch einen andern besonders herrlichen mit der 
Himmelfahrt. (Unter andern Thorheiten kam auch ein ganz vergoldetes 
lebendiges Kind vor, welches auf einer Säule stand und aus einem Brunnen 
Wasser nach allen Seiten spritzte.) 
Burckhardt, Italien. Renaissance. Zweite Auü. 25
        

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