Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1305369
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Buch. 
Zweites 
Decoration. 
zu machen. Dagegen wird erst jetzt der Stueeo mit der vollen Pracht, 
Freiheit und Energie als einfassendes, elastisch spannendes und tragen- 
des Element in den Gewölben gehandhabt. Auch die willktirlichste 
Einfassungsform, der Cartoccio (ä. 50) wird massenweise gebraucht. 
Die gemalten Deckenarabesken im ersten Gang der Ufüzien zu Flo- 
renz 1581, von Poccetti;  diejenigen in der vaticanischen Bibliothek 
und in der Sala ducale des Vaticans, heiter und reich, aber schon sehr 
unrein;  diejenigen der Galeria geografica ebenda, mit kirchengeschicht- 
lichen Scenen von Ant. Tempesta überladen. 
Poccettfs sonstige Arbeiten, immer vom Besten dieser Zeit: das 
mittlere Gewölbe in der Vorhalle der Innocenti zu Florenz, dann aus 
Stucco und Malerei gemischt: das Gewölbe der S. Antoniuscapelle in 
S. Marco und die kleine Hofhalle (links) in Pal. Pitti.  Ebenfalls relativ 
trefflich: ein von den beiden Alberti gemaltes Gapellengewölbe in S. M. 
sopra Minerva zu Bom,  und Einiges in den Cupoletten des rechten 
Seitenschiffes in S. Maria presso S. Celso zu Mailand, von Cerano-Grespi, 
Gampi etc. 
Von den vorherrschend stucchirten Gewölben, unter welchen die 
bloss einfarbigen, etwa mit Gold, den Vorzug haben, ist wahrscheinlich 
dasjenige von S. Maria a" monti zu Rom (von Giac. della Porta?) das ein- 
flussreichste geworden, wie es denn wohl das schönste dieser späten Zeit 
sein mag. Nächst diesem, obwohl erst aus dem Anfang des XVII. Jahrh., 
das Gewölbe der Vorhalle von S. Peter, von Carlo Maderna. 
Menge von einzelnen Prachtcapellen, zumal in Rom, seit etwa 1560; 
die Gewölbe um so viel derber und bunter als der Styl der Altar- und 
Wandgemälde naturalistischer, ihr vorherrschender Ton dunkler wird. 
Um 1587 war ein Raisonnement möglich wie das des Armenini (de' 
veri precetti della pittura, p. 193): die Alten seien auf die ldee der Grot- 
tesken gekommen durch den Anblick zufälliger Mauerflecke, daher sei 
diese Gattung ohne alle Regel und voll von jeglicher Freiheit; allerdings 
(p. 195) seien sie jetzt nach kurzer Blüthe rasch heruntergekommen, weil 
man den Ignoranten gefallen wolle, percioche le si dipingono crude, con- 
fuse et piene di sciocchi invenzioni, per li molti campi troppo carichi di 
bei. colori che sono fuor di misura etc. (Woher soll aber Mass und 
Schönheit kommen, wenn man einen bloss zufälligen Ursprung zugibt 
und nicht ahnt, dass die antiken Decorationen von verzierten Bauformen 
abgeleitet sind? Schon aus Vitruv VII, 5 wäre etwas Anderes zu lernen 
gewesen.) 
In Venedig und Neapel siegten inzwischen vollständig die Flachdecken 
mit grossen Eintheilungen für Gemälde (ä. 159). 
        

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