Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1304984
332 
Buch. 
Zweites 
Decoration. 
von allen Seiten mit Malereien, ohne Zweifel politischen Inhaltes, bedeckt; 
am frequentesten Ort der Stadt, den Portiken des Rialto, War ein Seesieg 
über König Pipin (Sohn Carls d. Gr.) und eine Weltkarte gemalt, San- 
sovino, Venezia, fol. 138, 134.  Aehnliehe Malereien an einigen da- 
maligen Tyrannenbauten, z. B. am Palastthurm der carraresischen Resi- 
denz in Padua, M. Savonarola, bei Murat. XXIV, C01. 1174; vom Palast 
des Braecio Baglione zu Perugia heisst es um 1500: e era tutta quella 
easa penta (dipinta) dentro e de fora, de 1a cima insino a terra, sammt 
beiden Thürmen.  Selbst die grossen allegorischen Tendenzbilder, durch 
welche Cola Rienzi bei seinem ersten Auftreten 1347 die Römer aufregte, 
möchten ebenfalls auf die Mauer gemalt gewesen sein. 
164. 
Darstellungsweisen 
der 
Fassadenmaler. 
Die Mauermalerei stellt meist eine mehr oder Weniger reiche, 
decorativ umgedeutete, flngirte Arehitectur dar, welche durch figürliche 
Zuthaten jeder denkbaren Art belebt wird. Ohne Zweifel stand auch 
sie in Wechselwirkung mit der Festdeeoration. 
Die schriftlichen Nachrichten, zumal bei Vasari, sind darin einseitig, 
dass sie fast nur das tigürliche Element erwähnen und den grossen dec0- 
rativen Zusammenhang kaum andeuten.  
Eine einzige Gattung blieb, wie es scheint, Hans Holbein d. J. vor- 
behalten: die illusionäre Darstellung eines wirklichen Gebäudes in per- 
spectivischer Untensicht, an dessen Fenstern, Gängen etc. menschliche 
Gestalten in der Zeittracht auftreten. (Zeichnungen seiner untergegangenen 
Fassadenmalereien in der öffentlichen Sammlung zu Basel.) Pompeji 
enthält Aehnliches, nur ohne das Streben nach Illusion. 
Ein grosser Hauptunterschied liegt in den Darstellungsmitteln, 
indem Vollfarbigkeit, theilweise Farbigkeit, Einfarbigkeit und Sgraffito 
theils sich aussehliessend, theils neben einander (bisweilen im aller- 
schönsten Contraste) angewandt werden, je nachdem man den Schein 
der Arehitectur und der decorirenden Seulptur mehr oder weniger 
beibehalten will. Später kam Sogar noch reliefirter Stueco hinzu. 
haben den Vortheil, dass das 
sichtbar und die Restauration 
Alle Vereinfachungen in der Farbe haben den Vortheil, dass das 
Altern und Verbleichen Weniger schnell sichtbar und die Restauration 
leichter ist als bei der Vollfarbigkeit. 
Das Sgraffito wird sogar ohne eigentliches Malen dadurch hervor- 
gebracht, dass die Mauer erst schwarz, dann weiss überzogen wird und
        

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