Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1304304
Zweites B1 
Decoratioxm  
in der Kirche von Loretto, deren bauliches Gerüste (vom jüngern Ant. 
Sangallo) eine Menge Theile architectonisirt zeigt, welche einige Jahrzehnte 
früher durchaus der Decoration anheimgefallen wären. (Incrustation der 
Stylobaten, Gannelirung der Säulen, strengere Antikisirung aller Formen.) 
Von Mosca sind hier die sehr schönen Festons. 
Auch der achteckige sog. Coro unter der Kuppel im Dom von Florenz, 
unter Bandinellfs Leitung angeblich nach dem Vorbild des hölzernen von 
Brunellesco hingestellten gearbeitet, wäre gewiss im XV. Jahrhundert viel 
schmuckreicher gestaltet worden. Vasari X, p. 328, s., v. di Bandinelli. 
Allein das Bedürfniss nach reichern Formen schlug dann doch wieder 
durch, nur auf unglückliche Weise. Da wo die echte Renaissance noch 
eigene Zierformen angewandt hatte, brauchte der Barockstyl nun zwar 
Bauformen, aber in widersinniger Verkleinerung, Häufung und Brechung. 
Der theoretische Ausdruck hiefür in ArmeninTs Schilderung eines isolirten 
Hochaltars (De' veri precetti della pittura, Ravenna 1587, p. 164): derselbe 
muss rund oder achtcckig sein, um von allen Seiten einen gleich günstigen 
Anblick zu gewähren, mit tribune, mensole, partimenti, nicchie, risalti, 
rompimenti di cornice, con diversi ordini variati, cosi finestre, tigurine et 
maschere di rilievo, festoni, balaustri, piramidi etc., Alles Womöglich mit 
bunten Steinen eingelegt, mit Gold eingefasst u. s. W. 
Die namhaften Decoratoren etwa der Zeit von 1525 bis 1550 zählt 
Lomazzo auf, leider ohne irgend genau die Gattungen zu scheiden, und ohne 
weit über die Lombardie hinaus zu blicken; Trattato dell" arte, p. 421: In 
den Friesen der Capellengewölbe (also Stucco und Malerei) und der Fassaden 
(Stein), mit Kinderfiguren und Masken, zeichneten sich zu unsern Zeiten 
besonders aus Ferrari (ohne Zweifel Gaudenzio), Perino (del Vaga), Rosso, 
(Giulio) Romano, der Fattore (Penni), Parmigiano, Coreggio, (Gio. da) Udine, 
Pordenone;  in sonderbaren Masken und in Laubwerk: Soncino;  in Laub- 
Werk allein: Nicolo Picinino und Vincenzo da Brescia (diese letztern wahr- 
scheinlich Stuccatoren);  und der das Laubwerk am trefflichsten, ausser 
dem Alterthum meisselte, ist Marco Antonio  gewesen. (Das Bisherige 
bezieht sich Alles auf die Friese oder horizontalen Glieder.)  In Betreff 
der Arabesken (5. 134) wäre viel zu sagen; wenn auch Stefano Scotto 
ohne Zweifel der ausgezeichnetste war, so hat ihn doch hierin Gaudenzio 
übertroffen, welcher sein erster Schüler und zugleich der des Lovino 
(Bern. Luini) war.  (Nun kommt er nochmals auf die Friese zurück, 
insofern dieselben in der damaligen ausgearteten Weise gemalte Historien, 
eingefasst von stucchirten oder gemalten Cartouchen, Kinderfiguren, Schil- 
den, Masken, Fruchtschnüren, Inschriften etc. enthielten, und sagt von 
diesen einfassenden Zuthatem) Hierin waren, abgesehen von den eigent- 
lichen Grotteskenverfertigern, besonders" erfindungsreich Gio. Batt.Berga1no 
und Evangelista Lovini, Bruder des Aurelio, welcher (letztere?) in dieser
        

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