Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1304168
250 
Buch. 
Zweites 
Decoration. 
Erz, edle Metalle, Holz und selbst decorative Malerei empfanden nur 
Wohlthätige Folgen von der Führerschaft dieses unvergleichlichen Stoffes. 
Im stärksten Gegensatz hiezu ist der spätgothische Decorationsstyl 
des Norden wesentlich Holzschnitzerei, auch wenn die Ausführung in 
Stein geschieht und wenn die Formen alle ursprünglich vom Stein ab- 
geleitet sind. 
Die 
Q. 134. 
Arabeske. 
Wenn auch jede Gattung ihr eigenes Gesetz hat und wenn selbst 
jedes einzelne Werk von höherer Bedeutung einen besondern Massstab 
des Ürtheils verlangt, so wird doch die Erkenntniss der Geschichte 
des Ornamentes sich speeiell an das in Stein, zumal in Marmor Ge- 
meisselte halten müssen, und innerhalb desselben vorzüglich an die 
Arabeske. 
Rabeschi im engern Sinne sind nur die aufsteigenden Füllungszier- 
rathen der Pilaster, wie aus dem Zusammenhang bei Lomazzo, trattato 
dellTarte, p. 421 (vgl. ä. 137) hervorgeht, wo sie von den Friesen (fregi) 
unterschieden werden. Doch bezeichnen schon die Italiener damit jede 
Art von ausfüllendem, zusammenhängendem Zierrath, von Verherrlichung 
der Fläche. 
Die Aufgabe war: die mehr idealen oder mehr realen Pflanzen so- 
wohl in Betreff der Blätter als der Versclilingungen und Windungen edel 
zu bilden, sie mit belebten sowohl als leblosen Gegenständen richtig zu 
vermischen, oder wenn das Grundmotiv statt einer Pflanze mehr eine 
Trophäe ist, dieselbe aus schönen und unter sich anmuthig zusammen- 
hängenden Gegenständen zu componiren. 
Die Pflanzen, die idealen meist dem Akanthus und dem Weinlaub 
sich nähernd (Fig. 156), die realistischen allen möglichen Blättern und 
Früchten nachgebildet, beginnen unten gerne mit einem Candelaberfuss oder 
Gefäss, ja bisweilen bildet der Candelaber mit Zwischenschalen und andern 
reichen Absätzen bis oben den Stamm, um Welchen die Blätter spielen. 
An Kirchenpforten erklärt sich das Gefäss als ideales Nachbild der Wasser- 
eimer, in welchen die bei Festen an die Thürpfosten gelehnten Baum- 
zweige z_u stehen pflegen. Nistende und pickende Vögel beleben oft das 
Ganze. (Benv. Cellini I, 31 bemerkt, dass in der lombardischen Decoration 
Epheu und Zaunrübe, in der toscanischen und römischen der Bärenklau, 
d. h. der Akanthus herrsche.) 
Die mehr trophäenartigen Arabesken bestehen zum Theil aus Waffen, 
die an einem Stabe befestigt sind (so vorherrschend an den Thürpfosten 
im Pal. von Urbino), meist aber aus einer originellen Mischung aller 
möglichen belebten und todten Gegenstände. Auch an heiligster Stätte,
        

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